Samstag, 25. September 2010

Strafmaße in der Bundesrepublik Deutschland

Diese Woche hat der Prozess gegen den ehemaligen Frontmann der "Böhsen Onkelz", Kevin Russell, wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht  begonnen.Folgendes wird ihm vorgeworfen: In der Sylvesternacht 2009 soll er mit einem geliehenen Audi A8 auf der A66 bei Frankfurt ein wesentlich langsamer fahrendes Auto gerammt haben; beide Autos sind daraufhin in die Leitplanken geprallt. Russell soll daraufhin den Unfallort verlassen haben und über ein naheliegendes Feld geflüchtet sein. Russell hatte mehrere (legale und illegale) Substanzen im Blut. Er war hemmungslos zugedröhnt.

Die 20- und 22-jährigen Opfer sind beide schwerverletzt und lebenslang auf Hilfe angewiesen:
«Der Fahrer trug Verbrennungen an mehreren Körperstellen, eine Leberblutung, eine Milzruptur sowie eine Verletzung der linken Niere davon», schreibt die Staatsanwaltschaft. Dem anderen Opfer musste eine Hand amputiert werden, zudem hat er schwerste Verbrennungen davongetragen. Kurz: beide führen seither ein erbarmungswürdiges Leben. 
Das "Beste" kommt aber noch: auf den meisten Webseiten wird richtigerweise darauf hingewiesen, dass Russell bereits vorbestraft ist und dass ihm deshalb eine "längere Haftstrafe" bis zu 5 (!) Jahren" blühe. 

Wenn das mal nicht eine knallharte Haftstrafe ist!              

Er kann sich auf ein mildes Urteil freuen

Nochmal im Kurzdurchlauf: ein vorbestrafter Mann (wegen Drogendelikten) fährt vollgedröhnt mit 230 km/h einen anderen Verkehrsteilnehmer über den Haufen. Die beiden Insassen verbrennen zum Teil, entrinnen knapp dem Tod, ihr Leben ist zerstört. Der Unfallverursacher hilft nicht, sondern verpisst sich (wegen unterlassener Hilfeleistung ist er allein deshalb nicht angeklagt, weil er vor seiner Flucht sicherstellte, dass Ersthelfer vor Ort waren!). 

Das höchstmögliche Strafmaß für dieses Vergehen beträgt fünf Jahre! Gab es in der deutschen Rechtsgeschichte jemals ein eklatanteres Beispiel für die Absurdität von Strafmaßen? Antwort: wahrscheinlich schon! Wahrscheinlich kommt das sogar sehr oft vor! 

Es gibt sicher vernünftige Argumente, die Gegner von hohen Haftstrafen und von Todesstrafen ins Feld führen. Ich kenne zwar keine, aber man sollte doch annehmen, dass die Menschen, die dieses Strafmaß festgelegt haben, ihre Gründe hatten. Fest steht aber auch, dass sie zu wohlwollend waren, und dass sie falsch lagen. Es kann nicht sein, dass man höchstens 5 Jahre einsitzt dafür, dass man 2 unschuldige Menschen fahrlässig zu Krüppeln, zu Pflegefällen gemacht hat. 

Eine härtere Strafe bringt den Opfern nichts, und vielleicht wirkt sie auch nicht "abschreckend" (Nominierung für das Unwort des Jahres 2010) auf andere potentielle zugedröhnte Verkehrsrowdies. Na und? Das ist ein anderes Kriterium. Schwere Vergehen müssen gesühnt, hart und gerecht bestraft werden. Darum geht es, und um nichts anderes.





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