Donnerstag, 14. April 2011

AI WEI WER?

Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn deutsche Medien über Leute Ai Weiwei schreiben. Über Ai Weiwei zu schreiben ist so, wie über Mumia Abu Jamal zu schreiben. Als normal denkender Mensch kommt sofort der Impuls: "Was soll das?"
Keiner hierzulande kannte Al Weiwei, bevor er festgenommen wurde. Plötzlich aber geht ein Aufschrei durch das linke Wutbürgertum: unfassbar, in China wird ein Menschenrechtler festgenommen!
"Der Freitag" zum Beispiel schenkt dem Phantom Weiwei diesmal sogar seine Titelgeschichte. "Seit Monaten geht Chinas Regime gegen Journalisten, Blogger und Künstler vor", empört sich Felix Lee. Wirklich? Ein Polizeistaat geht gegen Journalisten vor? Es ist unerhört. Würde es nicht im "Freitag" stehen, würde ich es für eine glatte Lüge halten. Denn seit wann hat man in Polizeistaaten denn kein Recht auf Meinungsfreiheit?
Und seit wann gibt es in Deutschland einen derart eklatanten Überschuss an Journalisten, dass Themen wie der Super-GAU in Fukushima, der Linksruck in Baden-Württemberg, die Existenzkrise einer einstmals stolzen liberalen Partei (um nur ein paar Themen zu nennen) noch offene Kapazitäten zulassen?
Wer sich mit dem wirklichen China auseinandersetzen will - nicht mit dem Wunschbild eines linksliberal-europäischen Chinas, das von Komikern wie Giovanni di Lorenzo von der "Zeit" projeziert wird und in Phantomen wie Ai Weiwei Gestalt annimmt - soll sich lieber "Last Train Home" ansehen, eine beeindruckende Dokumentation des chino-kanadischen Regisseurs Lixin Fan über Wanderarbeiter, sozialen Aufstieg und die Metamorphose der chinesischen Kultur. 
 

Keine Kommentare: