Montag, 9. Mai 2011

ANNE WILL - EIN DEUTSCHES TRAUERSPIEL. IN DER HAUPTROLLE: HERTA DÄUBLER-GMELIN

Nach der Woche der Moralapostel in Deutschland war ja eigentlich absehbar, dass auch im Theater namens "Anne Will" einige Moralapostel mit von der Partie sein würden.
In meinem Eintrag über Andreas Fischer-Lescano und seine unsäglichen Äußerungen über Osama bin Laden und das Völkerrecht hatte ich dies diese Woche ja bereits angedeutet. 
Aber, Jesus! 
Was hatte man sich denn dabei gedacht, Herta Däubler-Gmelin einzuladen? Sie verstand es auf unnachahmliche (und unverständliche) Art und Weise, eine recht simple Sachlage pseudo-intellektuell aufzublasen und bei fast jeder ihrer Antworten von der Ausgangsfrage abzukommen. Ach so, das Thema? Natürlich Bin Laden bzw. seine nicht erfolgte Festnahme zugungsten einer gezielten Tötung, oder wie der Amerikaner sagt: "kill mission".
Däubler-Gmelin jedenfalls kam mit einem Potpourri aus juristischen Floskeln, Bedenken und Anmerkungen à la "Wir in Europa sind da sehr viel bedachter" daher. Nur schwer konnte sie aber ihre linke, amerikafeindliche Agenda verstecken, die bei jeder ihrer Äußerungen durchschimmerte. Nach einer "gemeinsamen Strategie" im Anti-Terrorkampf rief sie, und wenn John Kornblum, ebenfalls Gast in der Sendung, sein Gesicht noch bewegen könnte, wäre es ihm wohl angesichts dieser anmaßenden Frau wohl mehrfach entglitten.
Däubler-Gmelin ist aber auch eine unglaublich gute Verkörperung des anti-amerikanischen, vor allem deutschen Wutbürgers. Ich könnte wetten, dass sie bei den Protesten gegen Stuttgart21 mit von der Partie war. Es ist einfach, sich immer aufs Völkerrecht zu berufen, die Tatsache ignorierend, dass viele Experten der amerikanischen Aktion sehr wohl Völkerrechtskompatibilität bescheinigten. Es ist auch einfach, nach "gemeinsamen Strategien" zu rufen wohl wissend, dass das gelähmte Europa nie eine Strategie auf die Beine stellen wird, weil es nämlich von zu vielen Däubler-Gmelins regiert wird, von zu vielen Bedenkenträgern, die einfach einmal zu viel nachdenken und abwägen und deshalb nie handeln werden. 
Was Richard David Precht in der Runde zu suchen hatte, ist mir ebenso ein Rätsel. Er hat geringe politische Kenntnisse, was er sogar zugab. Die Redaktion dachte sich wohl, als Bedenkenträger kann man ihn durchaus mal mit ins Boot holen. Da hatte die Redaktion natürlich Recht, denn Precht eignet sich ganz hervorragend als moralingesäuerter Lenin für Arme. Seine Argumente jedoch waren so vorhersehbar, dass es sich nicht lohnt, weiter auf sie einzugehen.
Araber-Liebhaber Kienzle verstrickte sich recht schnell in eigene Widersprüche. Einerseits sei Bin Laden ein von den USA aufgebauter Popanz, ein Scheinriese. Andererseits habe er die einstige Supermacht zur bloßen "Weltmacht unter vielen" degradiert. Was nun, Kienzle? Kruden Amerikahass muss man dann schon geschickter verstecken. Und, eine Anmerkung: wäre China nicht auch ohne die beiden Kriege in Afghanistan und Irak zu der Macht aufgestiegen, die es heute bereits ist? 
Michael Wolfssohn und John Kornblum waren tapfere Hüter des gesunden Menschenverstandes gestern abend. Doch die selbsternannten Moralphilosophen aus der anderen Ecke waren ein deprimierendes Beispiel für die Geisteshaltung, die Andreas Fischer-Lescano bereits Anfang der Woche zur Schau stellte: wir Deutsche sind zwar impotent, aber wir wissen alles besser. 
Ich freue mich übrigens immer noch über den Tod von Bin Laden. Ich bin Atheist und habe somit auch mit dieser Formulierung kein Problem. Einige Menschen sollten jedoch zur Kenntnis nehmen, dass die CDU eine Volkspartei ist und somit auch Atheisten unter ihrem Dach vereinigt. Auch die Debatte über Merkels Wortwahl ist peinliche Wortklauberei, weil jeder weiß, was sie gemeint hat. 
Außerdem, wie gesagt: ihre Wortwahl war ja auch einwandfrei.

Keine Kommentare: