Sonntag, 5. Juni 2011

PRESSECLUB, TRICHET UND DAS LINKE KLEINOD NAMENS BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

Es gibt viele verschiedene Zeichen, die ein schlüssiges Gesamtbild ergeben, wenn man sie richtig deutet. Zur Zeit deutet sich ziemlich klar der Untergang der Bundesrepublik an. 

Die Zeichen dabei reichen von Randerscheinungen bis hin zu weitreichenden politischen Weggabelungen.
Ich glaube, dass auch Details viel über die Lage der Nation preisgeben. Ein Detail ist, dass Sven Lorig vom "morgenmagazin" heute den altehrwürdigen "Presseclub" moderiert hat. Eigentlich war der Auftritt gar nicht so übel. Wenn man Lorig allerdings wie ich seit Monaten morgendlich in der ARD betrachtet,  weiß, wie inkompetent er fachlich ist und welches Zeugnis sich die ARD ausstellt, wenn sie die einzige ernstzunehmende politische Sendung im deutschen Fernsehen mit dem Pilawa für Arme besetzt.

Es ist wohl als Zugeständnis an den Mainstream zu werten, dass statt kompetenten Moderatoren (Herres) auf schleimige Schwiegersöhne zurückgegriffen wird. Frappierend ist auch die Tatsache, dass man Hans-Ulrich Jörges vom Stern in die Runde eingeladen hat. Jörges hat jede Position schon mal vertreten, hat eine Meinung zu allem, die aber immer auch konsequent von derjenigen abweicht, die er noch eine Woche vorher vertreten hat. Einen opportuneren Journalisten kann man sich nur schwer vorstellen, außer vielleicht Hajo Schumacher, aber der ist ja auch kein Journalist, sondern nennt sich nur so (siehe dieser Blog).


Details sind wichtig, große Entscheidungen sind unser Schicksal. Die Entscheidung von Jean-Claude Trichet, Griechenland weitere Milliarden zur Verfügung zu stellen, ist keine Fehlentscheidung, sondern ein Skandal erster Güte. Trichet trifft die Entscheidung aus Eitelkeit, da er sich nicht eingestehen will, dass seine Kreditpolitik bereits jetzt offenkundig gescheitert ist. Griechenland hat keines der Kriterien erfüllt, die als Bedingung für weitere Kredite angeführt wurden. Trotzdem wird neues Geld ausbezahlt. Was soll man davon halten? Dass das deutsche Volk hier schon lange nichts mehr mitzureden hat, ist so erschreckend wie europapolitische Normalität. Die Entscheidungen in Sachen EU und Griechenland werden so konsequent am Volk vorbei getroffen, dass man hier schon lange nicht mehr von einer demokratischen Struktur sprechen kann. Die Herren, die über unser Geld entscheiden, sind ja keine Deutschen. Sie heißen Trichet oder Juncker, Lagarde oder Barroso und diktieren unserer diskreditierten Bundeskanzlerin die Politik, die sie nett abnickt.

"The Democrats have moved to the right, the Republicans have moved into a mental hospital", stellte US-Comedian Bill Maher einmal fest und lamentierte, dass es in den USA keine Partei gebe, die links-progressive Positionen vertritt. Und tatsächlich vertreten die Demokraten in den USA hauptsächlich Positionen, die hier in Deutschland als rechtskonservativ und wirtschaftsfreundlich angesehen würden. 
Das liegt vor allem daran, dass unsere politische Landschaft in ihrer Gesamtheit so weit nach links gerückt ist, dass rechte Positionen in den Medien faktisch nicht repräsentiert werden. Oder ist es ein Zufall, dass heute Ines Pohl von der linken "taz", nicht aber ein Gegenpol von der "Jungen Freiheit", wenigstens aber von der "FAZ", sondern eben nur Jörges, einer von der "Augsburger Allgemeinen" (soll das der Alibi-Rechte gewesen sein?) und eine Dame von der "Süddeutschen" im Presseclub saßen?

Die aktuellen Entwicklungen in der Atomdebatte zeigen, wie sich Deutschland Stück für Stück ein linkes Kleinod einrichtet, sich dabei aber immer weiter von globalen Trends entfernt. Es ist kein Zufall, dass die BRD als einziges (!) von allen industrialisierten Staaten den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen hat. Diese so eindeutig merkeltypisch opportunistische Entscheidung (die in CDU-Kreisen wahrscheinlich niemand wirklich gutheißt) erinnert mich ein bißchen an zu Guttenbergs angeblich so "gut bestelltes Haus". Dieser radikale und völlig voreilige Ausstieg wird nur Verlierer hervorbringen: sowohl die Menschen in Deutschland, die wieder Opfer von politischen Entscheidungen werden und wohl viel mehr für Strom ausgeben werden, als auch die Umwelt, die es der Politik sicherlich nicht danken wird, dass ab 2022 wieder vermehrt auf fossile Energiequellen zurückgegriffen werden muss.


Eines muss man den Grünen und der SPD nämlich bei all ihrer Verlogenheit lassen: immerhin sind sie in ihrem Denken konsequent. Sie wollten tatsächlich schon seit langer Zeit den Atomausstieg. Es war für mich undenkbar, dass sich die CDU noch weiter diskreditieren kann, doch sie hat es durch die Kernkraftdebatte doch tatsächlich geschafft. Seit langem ist sie keine rechtskonservative Partei mehr. Doch die Verlogenheit, die Merkel und Co. hier an den Tag gelegt haben, ist beispiellos und ohne geschichtliche Parallelen. 





 

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Herr Dreyfus,

in Ihrem Artikel ist das Thema Kernenergie erwähnt ,inklusive klarer Stellungnahme.

Im April habe ich folg. Text geschrieben. Nur mal so als Gegenpol:

S.g. D. u.H.,

wie kommen die Menschen darauf, das Kernenergie billig sei?
Würde man eine Vollkostenrechnung, inkl. Entsorgungskosten, Störfallquote und Gesundheitskosten erstellen, wäre das Ergebnis eindeutig.
Traurige Realität ist, das die japanischen Kernkraftwerke der Volkswirtschaft nie so viel Einspareffekt bieten konnten, wie sie nun an Kosten gebracht haben.
Die Welt hat Tschernobyl noch zu verarbeiten. Der neue Sarkophag wird zu über 90% von der EU finanziert, weil Russland das nicht stemmen kann.
Kernenergie ist etwas für Zocker - ein Spieler glaubt immer zu sehr an sein Glück.


So lange die Betreiber der AKW’s/KKW’s nicht für die Entsorgung sorgen = zahlen müssen, sind diese Kraftwerke gigantische Gelddruckmaschinen.
Dieses Geld ist für viele der Befürworter die existentielle Basis. Würde man den KKW-Ingenieuren einen neuen, ähnlich bezahlten Job in der
Entwicklung regenerativer Energien bieten, die meisten würden wechseln. Nebenbei:
Beim Gau werden nicht die Manager am Reaktor stehen. Und der Großteil der Ingenieure, die jetzt im KKW arbeiten und gut verdienen, die werden
beim Störfall keine Kamikaze-Aktion durchführen, sondern ganz schnell die eigene Familie abholen und in Sicherheit bringen.

Nebenbei:
"Tschernobyl und Fukushima sind vergleichbar."
In Tschernobyl, kam der Unfall durch falsche Bedienung bei einem Test zustande, das ist menschliches Versagen.
In Japan war es eine menschliche Fehleinschätzung, dass eine Mauer für Wellen bis 5 m ist ausreichend wäre.

Jetzt stellen sich die Befürworter der Kernenergie hin und sagen (sinngemäß) : "Jetzt wird geprüft, .... neue Maßstäbe, .... sorgen für mehr Sicherheit... ".
Das ist toll - dann haben wir in 100 Jahren sichere, ausgereifte KKW's !

Freundliche Grüße
Thomas Ermentrud

Zitat Ende.

Letztens habe ich mich mit Mitarbeitern von Siemens "Energie Division Fossil .." über das Thema unterhalten. Die Herren waren "pro-Kernenergie", worauf ich sagte: "Kernenergie ist doch total altmodisch. Von einem modernen Technologiekonzern erwarte ich mehr, nämlich, dass dort neue Lösungen für die Zukunft entwickelt werden, die man weltweit verkaufen kann."

Als ob der Siemens-Vorstand uns zugehört hätte - Ein oder zwei Monate später gab Siemens den Ausstieg aus der Kernenergie bekannt und die Focussierung auf neue Technologien. Wie das Leben manchmal so spielt.

Schönen Abend
Thomas Ermentrud