Mittwoch, 14. Dezember 2011

Christian Wulff: Angepasst, orientierungslos, nichtssagend

Christian Wulff ist und bleibt ein Rätsel. Leider kein besonders spannendes.

Der aalglatte, stromlinienförmige Parteisoldat aus Osnabrück hat spätestens seit dem Jahr 2010 eine der unglaublichsten Politikerkarrieren hingelegt, die es in der BRD bis dato gegeben hat. Als Nominierter für den Preis der langweiligsten Person des 21.Jahrhunderts hat er es in ein Amt geschafft, für das bis dahin Rückgrat, Charakter, Ausstrahlung und Lebenserfahrung als elementar gegolten hatten.

Wulff ist ohne all diese Eigenschaften ins Schluss Bellevue eingezogen. Dem opportunistischen Parteiklüngel der CDU sei Dank, setzte er sich im peinlichen dritten Wahlgang gegen Joachim Gauck durch, der ihm in Sachen Beliebtheit beim Volk, Lebenserfahrung und Ausstrahlung überlegener nicht hätte sein können.

Politische Positionen sucht man bei Wulff vergeblich. Als opportunistischer Schreibtischtäter scheint er eher einer zu sein, der Ämter bekleidet anstatt sich mühevoll Meinungen zu bilden. Wulff ist ein Parvenue, doch ich frage mich, wie er in der Politik gelandet ist. Ein BWL-Studium und ein stromlinienförmiger Aufstieg bei einem Konzern hätte ihm besser zu Gesicht gestanden. Oder ein Job im Rathaus. Irgendein Ort zumindest, an dem man Leitz-Ordner von A nach B schieben und hölzern formulierte Anträge unterschreiben kann.

Ich denke, Christian Wulff ist ein Mensch, der alles korrekt machen will.
Gleichzeitig will Wulff aber ein schönes Leben. Deshalb klüngelt er ja auch mit Maschmeyer und den anderen Millionären, hängt in deren Villen rum und lässt sich Privatdarlehen zuschanzen.
 

Es ist irgendwie auch typisch für Wulff, dass er in der Sache Geerkens sich juristisch hat nichts zu Schulden kommen lassen. Dumm ist sie ja nicht, unsere Christen-Attrape aus Niedersachsen. Vorher wird er sich schon abgesichert haben, ob das auch alles so ok ist, was er da mit den Krediten macht. Die Perfidie eines zu Guttenberg, zu betrügen und anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben, hätte Wulff auch nicht. Dafür ist er einerseits zu korrekt. Andererseits auch zu ängstlich, zu verdruckst. 

Vor einiger Zeit regierte Bismarck de facto das Reich, und repräsentiert wurden wir von Kaiser Wilhelm I. Heute regiert Merkel die Bundesrepublik, und repräsentiert werden wir von einem, der Sachbearbeiter, Schalterbeamter oder Versicherungsvertreter hätte werden sollen, auf immer und ewig im marineblauen Anzug umherwandelt, mit Millionären in Villen sitzt, als seinen größten Verdients den kindgerechten Umbau der Bundespräsidenten-Residenz vorzuweisen hat und sich von idiotischen Journalisten bestätigen lässt, das Tattoo seiner Frau spreche für seine angebliche Modernität.

Ich halte wenig vom Ruf nach charismatischen Persönlichkeiten und finde allein den Begriff charismatisch verdächtig. Christian Wulff ist allerdings ein mindestens genau so gefährlicher Gegenentwurf. Noch nie war das Amt des Bundespräsidenten so egal wie heute. Nicht mal einen Skandal bekommt dieser Trockenfurzer auf die Reihe. Das ist weniger als armselig.





Kommentare:

Anonym hat gesagt…

BITTE WULFF NIMM DEINEN HUT! WÄRE BESSER FÜR ALLE!

Anonym hat gesagt…

Aha, wusste gar nicht wie schlimm unser BP ist. Sie scheinens ja geradezu auf ihn abgesehen zu haben..finde ich übertrieben.

Anonym hat gesagt…

guter Text!

Anonym hat gesagt…

Jedes Volk bekommt den Präsidenten, den es verdient! Wenn das Volk zunehmend verdummt, so brauch man als Präsidenten keine Helden mehr, sondern lediglich kluge Heuchler, die sich und das Volk noch mehr zum Affen machen...
Muss hierbei unwillkürlich an Heinrich Heine denken aber den kennt man hier ja in ein paar Jahren auch keiner mehr...
Stumpf ist Trumpf!

Dreyfus hat gesagt…

Das Volk bekommt eben gerade NICHT den Präsidenten, den es verdient. Schon gar nicht den, den es wollte.
Das Volk wollte nämlich eindeutig Joachim Gauck, das hat jede Umfrage gezeigt.
Der aktuelle Bundespräsident ist das Ergebnis parteipolitischen Geschachers. Deutschland hat einen besseren Präsidenten verdient.
Das Verfahren zur Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung statt durch das Volk ist in meinen Augen ein Fehler des Grundgesetzes.