Mittwoch, 7. Dezember 2011

Obama, der Teleprompter-Präsident

Barack (zu deutsch: Bärräck, zumindest wenn man den uninformierten Nachrichtensprechern glaubt) Obama hat eine Rede gehalten in einer Kleinstadt in Kansas.
Eine "Alles-oder-Nichts"-Rede soll es laut Zeit Online gewesen sein. Die wievielte dieser Art war das?, frage ich mich. Ist sich Obama darüber im Klaren, dass seine "Alles-oder-nichts-Reden" bei den Republikanern nichts bewirken?
Warum sollten sie auch? Die Republikaner haben schließlich die Unterhauswahl vor einem Jahr gewonnen und die Mehrheit im Repräsentantenhaus inne. Was stellt sich Obama also genau vor? "Mr.Obama, wir haben Ihre 'Alles-Oder-Nichts-Rede' in Kansas gehört. Sie war diesmal wirklich überzeugend. Deshalb haben wir Republikaner beschlossen, unsere Mehrheit nicht zur Blockade zu mißbrauchen und Ihrem Steuerkonzept zuzustimmen, obwohl dies komplett gegen unsere Grundprinzipien sowie unser Stammklientel, die Reichen, verstößt"?
Doch vermutlich agiert Obama aus reiner Alternativlosigkeit. Dabei war auch ich von Obama begeistert und finde ihn noch immer hochsympathisch. Nach bald drei erfolglosen Jahren im Amt allerdings müssen auch die hartgesottensten Obama-Fans langsam eingestehen, dass ihr Held nicht nur allzu menschlich ist, sondern ein allem Anschein nach eher ungeschickter Politiker.
Obamas Problem ist, es allen Recht machen zu wollen. Zwei Jahre hatte er die absolute Mehrheit im Kongress (2008-2010). Doch statt durchzuregieren und schnell seine Projekte zu verwirklichen, wollte er immer wieder die Republikaner in seine Entscheidungen mit einbeziehen, sie mit ins Boot holen, to reach across the aisle, wie die Amerikaner sagen.
Das kam gar nicht gut an. Weder bei den Republikanern, die die samariterhafte Kollegialität als herablassend empfanden und den ideologischen Graben zwischen ihnen und den Demokraten für schlicht unüberbrückbar hielten. Noch bei den Linksprogressiven, die all ihre Hoffnungen nach der Ära Bush auf den Rechtsanwalt aus Chicago projeziert hatten.
Obama hat sie in den drei Jahren alle vergrätzt. Seine Gegner sowieso. Vor allem aber seine Anhänger. Er umgibt sich mit Wall-Street-Insidern à la Timothy Geither (Finanzminister), schleimt sich bei der Rechten ein und redet von der Mittelklasse, ohne etwas für diese zu tun. Obama ist bis jetzt der Teleprompter-Präsident geblieben. Leider hat es momentan nicht den Anschein, als würde sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern.

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