Donnerstag, 1. Dezember 2011

Wolfgang Heims Interviews: dröge, uninformiert, sexistisch?

Wolfgang Heim war gestern wieder Wolfgang Heim. In "Bestform".

In seinem "SWR1 Leute"-Interview mit Katrin Müller-Hohenstein schlug er wieder mal eine Tonlage an, die irgendwo zwischen depressiv und mies gelaunt zu verorten ist. So sicher bin ich mir bei Heim da nie. Manchmal dachte ich schon, dass er einfach keine Lust mehr hat auf seine eigene Sendung und dass er's halt noch macht, weil ihm nichts anderes mehr einfällt und beim SWR sowieso niemand nachfragt. Offensichtlich ist jedoch sein komplettes Desinteresse an seinen Gästen. Darin erinnert er mich stark an Larry King, den CNN-Talkmaster, vor allem in den letzten Jahren. Mechanisch klopft Heim seine Fragen ab (die eigentlich keine Fragen sind, sondern Aussagen), spielt zwischendurch zum 947.Mal einen Stones-Titel ein - und nach der Musik beginnt das Theater von Neuem.

Gestern, im Gespräch mit Journalisten-Kollegin Kathrin Müller-Hohenstein, Moderatorin des Aktuellen Sportstudio im ZDF, hatte Heim sich, wie so oft, im Vorfeld scheinbar einen Stichpunkt überlegt, anhand dessen er die 30 Minuten Gesprächszeit zu füllen gedachte: "Frauen in der Männerdomäne Fußball - wird man angefeindet, kann das gutgehen?"

Nun ist Kathrin Müller-Hohenstein ja beileibe nicht die erste und einzige Frau in Deutschland, die eine Sport- oder Fußballsendung moderiert. Die allseits beliebte Monika Lierhaus stand für Fachkompetenz wie nur wenige männliche Kollegen. Ran wurde früher auch von Gaby Papenburg moderiert. Sky hat mit Andrea Kaiser eine Moderatorin im Team, und im ZDF gibt es neben KMH auch zahlreiche andere Frauen (Jessy Wellmer z.B.).

Dies ignorierte Heim, denn sonst hätte er ja keine Gesprächsgrundlage gehabt. Stattdessen - man mochte es kaum glauben - packte er gaaanz alte Kamellen aus: Die angebliche Männerdomäne Fußball (was sie schon lange nicht mehr ist) und die "Standardfrage" (wie Heim selbst anmerkte) Carmen Thomas - "Schalke 05" - was eigentlich auch keine Frage war. Heim wollte es halt einfach mal ansprechen, mal in den Raum stellen.

Erfrischend war dann nur die Antwort: es langweile sie, Kathrin Müller-Hohenstein, langsam, diese Frage, die eigentlich immer nur von Medienvertretern und nie von Trainern gestellt werde, zu beantworten.

Richtig. Es langweilt auch Radiohörer, die ewig alten Stories und Geschichten und "Fragen" von Wolfgang Heim zu hören, die dann nur noch vom Nervensägen-Stones-Hit Mother's Little Helper getoppt werden (als hätten sie Stones nicht bessere Musik zu bieten).

Was wollte er denn auf die Frage hören? "Ja, das war peinlich, und ich bin auch eine Frau, deshalb bin ich ja irgendwie genauso, hihihi!"?

Das Problem, dessen sich Heim wohl nicht so ganz bewußt ist, ist, dass durch das permanente Herumreiten von Journalisten auf diesen alten Geschichten das Thema nie vom Tisch kommen wird. Wann hatte Carmen Thomas ihren "Schalke 05"-Versprecher? 1970? 1980? Für Heim scheint es wie gestern gewesen zu sein. 

Doch wie Müller-Hohenstein richtig anmerkt: während Spieler, Trainer und Sportfans das schon längst nicht mehr zur Kenntnis nehmen und weibliche Reporterinnen zum Fußball gehören wie Schiedsrichter und Eckfahnen, scheinen Journalisten wie Wolfgang Heim dies nicht wahrhaben zu wollen.

Ich fragte mich außerdem, ob es für KMH und Kolleginnen nicht unglaublich anstrengend sein muss, immer auf ihr Geschlecht reduziert zu werden, à la: ist es nicht für sie als Frau unglaublich anstrengend in dieser Macho-Männerdomäne? Dahinter steckt auch eine gehörige Portion Sexismus seitens Heims, auch wenn dieser sich wohl eher als aufgeklärten, modernen Mann sieht.

Kathrin-Müller Hohenstein: "So lange die Frage immer gestellt werden wird von der Frau in der Männerdomäne, so lange hat sich das Thema auch nicht erledigt, und das finde ich so schade." Wo sie recht hat, hat sie recht. Doch auch nach dieser Replik hatte Heim noch nicht genug (bzw. keine Alternativ-Fragen mehr).

Bei 11:35 min. folgte dann ein weiterer, beispielhafter 
 Heim-Auftritt: 
"Wobei ich es mir schon schwierig vorstelle als Moderatorin in so eine Sendung zu gehen mit diesem Ruf, dieser Vergangenheit und dieser Tradition und Vorgängern wie Harry Valérien, Dieter Kürten..."
KMH: "Ja, ist es. [...]"
 Da war er wieder, der eingesprungene Heim mit dreifachem "Männerdomäne"-Rittberger und doppeltem "Du bist Frau, die anderen sind Männer, wie fühlst du dich dabei?"-Axel.

Heim stellt es sich schwierig vor. Aha. Kann ich mir vorstellen.
Wie ich es mir generell schwierig vorstelle, Wolfgang Heim zu sein. Er scheint nicht besonders glücklich zu sein. Das mag an der Art liegen, wie er seine Sendung macht. Ein bißchen weniger Grübeln, ein bißchen mehr Schwung würde der Sendung jedenfalls guttun, und vor allem ein bißchen mehr Information, ein kleines Briefing im Vorhinein.

Kathrin Müller-Hohenstein ist nämlich vor allem Sportjournalistin von Beruf, nicht Frauenzimmer. Schiedsrichter-Steueraffären, die Bundesliga, der Europapokal, die Bayern, die Gladbacher, Babak Rafati (wurde kurz angesprochen), Ralf Rangnick, Sepp Blatter und die Bestechungsskandale: es hätte so viele Themen gegeben, die man interessant hätte besprechen können. Aber nein: Carmen Thomas, Männerdomäne

Es war mal wieder absehbar deprimierend mit Wolfgang Heim. Leider ist sein Kollege Siller vom gleichen Kaliber. Dann eben doch wieder Deutschlandfunk.

Eine Anmerkung zum Schluss: Ich mag Kathrin Müller-Hohenstein nicht besonders. Ich halte sie für wenig kompetent, anmaßend und altklug. Dass sie in diesem Interview den aufgeweckten, informierten, seriösen Part innehatte, sagt deshalb weniger über sie als vielmehr über ihr Pendant auf der anderen Seite des Tisches aus. Kathrin Müller-Hohenstein ist eine ziemlich durchschnittliche Sportmoderatorin. Was für eine Frau sie ist, ist mir egal.























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