Montag, 23. Januar 2012

'Prof.Dr.' Anna Schoch, Peter Hahne und ein viriler Mann aus der Hobbythek (74)

Da war 'Prof.Dr.'Anna Schoch doch auf einem so guten Weg...

Gestern schaute ich zum ersten Mal Peter Hahne im ZDF, eine Sendung, die ich bislang ignoriert hatte und über die ich auch gestern nur mehr oder weniger zufällig stolperte, da die ARD mal wieder ein zum ins Wachkoma fallen langweiliges Wintersportereignis dem Presseclub vorzog.

Nun denn, das Thema war spannend bei Hahne: Das Phänomen der alten Väter, also Männer, die jenseits der 50, 60 oder, wie im Fall des Studiogastes Jean Pütz sogar jenseits der 70 (74) nochmal Vater werden. 

Psychologin Anna Schoch war als Gegenpart eingeladen, als Mahnerin, die das pathologische an der späten Fruchtbarkeit der Opas herausarbeiten sollte. Diese Rolle füllte sie lange gut aus: vernünftig, sachlich, nicht persönlich werdend.

Es sei egoistisch, sowohl der Frau als auch dem Kind gegenüber, wenn der Mann sich in diesem Alter nochmal für ein Kind entscheide. Schließlich müsste man damit rechnen, dass der Vater in diesen Fällen noch höchstens bis zur Abitursfeier "dabei sein" könne, bevor er das Zeitliche segnet.

Schochs Praxis, führte sie aus, sei voll von Frauen in ihren Dreißigern, die an Männer gerieten, die keine Verantwortung für eine Familie übernehmen wollten. Diese Frauen, so Schoch, sehnten sich nach verantwortungsvollen Männern, die sich niederlassen wollen, fänden diese aber oft erst bei älteren Männern (wie Pütz). Das Problem? Diese Männer brauchen meist mindestens zwei Fehlversuche, sprich zwei Ehen Anlauf, um ihr Familienglück zu finden, und dann sind sie eben meistens schon alt, im "Opa-Alter" eben.

Was hinterlassen viele Männer heute also? Oft ein, zwei oder drei gescheiterte Ehen inklusive der Kinder aus diesen Ehen, die ohne Vater aufwachsen. Eine letzte Ehe und Vaterschaft in hohem Alter, die aufgrund dieses hohen Alters viel früher vorbei sein wird, als eigentlich vorgesehen ist.

Schoch entlarvte den sich als Lebemann inszenierenden  Pütz gnadenlos als Egoist, der aus Selbstbezogenheit noch einmal voll ins Familienglück inklusive junger Mutter eintauchen wolle, bevor er dann zufrieden abdanken kann. Auch bemerkte sie treffend, dass die Kinder aus der Erst- oder der Zweitehe immer mißgünstig auf das "neue Glück" des Vaters blicken werden. Die Frage nach dem mittlerweile 52-jährigen ersten Sohn Pütz' aus erster Ehe beantwortete dieser wie erwartet rosig: man habe ein tolles Verhältnis. Überzeugend war das allerdings nicht.


Pütz erging sich während der guten halben Stunde hauptsächlich in Phrasen, Ablenkungsmanövern und in der Kultivierung seiner angeblichen rheinischen Frohnatur, die man ihm wohl auch zugestehen muss, egal, was man von ihm hält. Er ging auf die entscheidenden Fragen jedoch naturgemäß nicht ein: ist es Mutter und Kind gegenüber fair, sie in relativ naher Zukunft allein zu lassen? Was hat das Kind überhaupt noch von einem so alten Vater? 


Schoch verstand sich gut darauf, ein gesellschaftliches Problem aufzuzeigen (mittlerweile ist jeder 20.Vater über 50) und dies an ihrem Gegenüber festzumachen, ohne dies zu persönlich zu tun.


Umso bedauerlicher ist es daher, dass sie sich gegen Ende der Sendung (28:10) als Expertin mit einem Satz vollständig disqualifizierte. Mit Blick auf die steigende Anzahl nur bei der Mutter aufwachsender Jungen sagte sie:

"[...]die werden entweder homosexuell oder eben die viel beklagten Weicheier[...]"


Eine dermaßen unwissenschaftliche, diffamierende Aussage (Schoch erachtet es also offenbar als schlecht, homosexuell zu sein) von einer erfahrenen Psychologin hatte die Sendung eigentlich gar nicht verdient. Sie war nämlich besser als erwartet, was übrigens auch an der angenehmen Zurückhaltung Peter Hahnes lag, der sich ja als Gast in anderen Talksendungen immer bestens darauf versteht, sich durch unqualifizierte Moralpolemiken in den Vordergrund zu drängen.

Neben der "Patchwork-Lüge" von Melanie Mühl war Schochs Beitrag - bis auf den zitierten Satz - aber mit das Beste, was ich in Moralfragen und in Bezug auf die verblödete - weil verblendete - 68er-Generation in letzter Zeit gehört habe. 

























































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