Montag, 30. April 2012

Ignorant und stolz drauf - die Piratenpartei

Ines Pohl hat mich enttäuscht. Normalerweise ist sie ein Lichtblick, rational, kompetent, freigeistig. Im gestrigen Presseclub schwärmte sie von der Piratenpartei wie ein verliebtes 13-jähriges Mädchen vom Jungen in der Parallelklasse.

Über schwammige Komplimente wie das, dass die Piratenpartei positiv für die Demokratie sei (Oh Jesus, warum denn das?) kam sie dabei naturgemäß nicht hinaus. Wie denn auch? Man weiß über diese Partei und ihre Inhalte so gut wie nichts. Man weiß lediglich, dass einer ihrer führenden Köpfe Christopher Lauer so unsympathisch ist, dass selbst der schnöseligste FDP-Jüngling gegen ihn bodenständig und ehrlich daherkommen muss.

Zum Glück saß noch Mariam Lau in der Runde, die der allgemeinen, nebulösen Huldigung der Nerd-Partei (befeuert zudem von "Neon"-Mitarbeiter Patrick Bauer) nichts abgewinnen konnte und die Piraten korrekterweise im Reich des Populismus verortete.

Mal ganz ehrlich: diese Piraten haben doch keinen Schimmer, was sie eigentlich wollen. Transparenz? Liquid Democracy? Kiss my crippled ass! Fahrscheinlose Personenbeförderung im öffentlichen Nahverkehr? Wer hat euch eigentlich ins Hirn geschissen? 

Und dann natürlich die Königsdisziplin der Laptop-Trottel: stolz sein auf die eigene Ignoranz. Ich muss zugeben: das ist neu. Das ist dreist und ein bißchen mutig. Leider auch dumm und arrogant. Die Piraten sind stolz darauf, inkompetent zu sein und es auch zu sagen. "Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht" bzw. "Dazu steht noch nichts im Wahlprogramm". Auch diese Ignoranz wurde von erwähnten Presseclub-Schwärmern natürlich sofort als frisches Element gewürdigt. 

Lord, give me strength!

Ignoranz als frisches Element? Ach je. Wie wär's damit? Arbeitet doch mal ein Programm aus, in allen Details, und lasst euch danach wählen! Das wäre die richtige Reihenfolge. Aber solange ernsthafte Journalistinnen wie Ines Pohl es ganz toll finden, ignorant zu sein (und stolz darauf), so lange besteht wohl bei den Piraten auch kein Bedarf, etwas an ihrer idiotischen Einstellung gegenüber Realpolitik etwas zu ändern. 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Piratenpartei unterscheidet ein wesentlicher Punkt von den anderen Parteien: Sie geben ihre Ahnungslosigkeit "noch" zu. Natürlich kann man das verwerflich finden, das die Partei noch nicht genau so verlogen, verkommen und von Lobbygruppen gekauft ist wie das andere Parteienpack. Aber das ändert sich ja sowieso gerade.

A.L.Dreyfus hat gesagt…

Das "noch" wage ich zu bezweifeln. Die Versteifung auf das Thema "Internet" und "Urheberrecht" und die kokett zur Schau getragene Ignoranz anderen Themen gegenüber scheinen sich mir als Markenkerne, nicht als vorübergehende Zustände herauszuschälen.
Anders sein reicht nicht. Jeder Bürger sehnt sich nach frischem Wind. Aber ein bißchen Substanz sollte schon dahinterstecken.