Donnerstag, 12. April 2012

Stefan Siller und Andreas Englisch - Christus, gib mir Kraft!

Beim Fahren zappte ich heute ein wenig durchs Radio, als im Deutschlandfunk ausnahmsweise mal ein weniger interessanter Beitrag lief und ich mich nach Abwechslung sehnte. Eigentlich wollte ich die dröge "SWR1-Leute"-Sendung ja konsequent umgehen, weil ich mich sowieso nur über die Moderatoren, das Konzept der Sendung allgemein, die Musikauswahl, die gestellten Fragen und tausend andere Sachen aufrege - ach ja, über die Gäste natürlich manchmal auch. Trotzdem konnte ich heute nicht widerstehen (natürlich auch mangels Alternativen im gleichgeschalteten Radio) und blieb im SWR hängen.

Gast war Andreas Englisch, seines Zeichens Vatikankorrespondent der "Bild". Englisch hat keine Ahnung von irgendwas, ist aber "Papst-Fan" (Originalzitat A.Englisch) und war mal Meßdiener. Schon vor einigen Monaten fiel er mir in der Sendung "Menschen bei Maischberger" durch ein Talent auf, was viele Menschen besitzen, wenige jedoch in der Penetranz von Englisch: er redet sehr viel, sagt aber dabei sehr wenig. Man kann von Englisch nichts über Theologie lernen, nichts über Philosophie. Nicht mal über den Papst. Man hört ihm minutenlang zu und fragt sich später, ob man eigentlich nicht aufgepasst hat oder ob Englischs Sprechdurchfall tatsächlich so unergiebig war, wie man denkt.

Glücklicherweise hatte ich miesen Empfang und es war bereits viertel vor 12 (die Sendung geht von 10-12 Uhr). Dann aber fing Englisch an, verbal über "das Wunder von Santa Lucia" zu onanieren, über seine Wundergläubigkeit im Allgemeinen und darüber, dass in seinem Privatleben Dinge passiert seien, nach deren Eintreten man nur schwer nicht mehr an Wunder glauben könne, bla bla, Rhabarber Rhabarber...Da wurde ich hellhörig: Hatte Englisch nicht bereits in besagter "Maischberger"-Sendung von "Santa Lucia" geschwafelt, dem Wunder, von dem der Vatikan "nichts wissen wolle", man solle auf keinen Fall Recherchen anstellen, dem Papst sei es peinlich, so Englisch, wenn man über die Ereignisse in Santa Lucia redete. 


Aber warum sollte es gerade dem Papst und der katholischen Kirche, die doch an Wunder glauben, peinlich sein, wenn sich dann tatsächlich einmal eines zuträgt? Natürlich ist das vollkommener Blödsinn, den sich Englisch wahrscheinlich irgendwo ganz tief aus dem Rektum gefischt hat. Das behauptet er nur, um seine langweiligen Bücher zu verkaufen und ein Mysterium zu kreieren, wo es keines gibt. Na, Herr Englisch, was ist denn auf Santa Lucia passiert? Welches blinde Mädchen wurde denn wieder sehend, welcher gebrechliche Alte wieder gehend gemacht? Sagen Sie's doch einfach! Oder ist es viel zu banal, zu simpel, zu doof? Müssen sie es verschweigen, um es so künstlich zum Geheimnis aufzublähen?
Selig sind die geistig armen. Kein Wunder hat Englisch Gefallen an der katholischen Kirche gefunden.


Was machen gute Journalisten, wenn ihnen etwas komisch vorkommt (und Englischs Ausführungen bzw. Anspielungen zu Santa Lucia waren mehr als komisch: sie waren grotesk)? Richtig: sie fragen nach. Und damit wären wir bei Stefan Siller. Dieses dröge SWR1-Urgestein hat offensichtlich so viel Interesse an seinen Gästen und deren Aussagen wie geile Pfarrer an Jugendlichen über 18: gar keines. Mit der Monotonie einer Wanduhr klopfte er seine pflichtgemäß notierten Standard-Journalistenfragen ab und bestätigte alle Klischees, die man über die Angestellten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur haben kann. Zwar ist Andreas Englisch wirklich ein unerträglicher Gast, doch das wusste man vorher. Siller ist immer so. Blutleer, antriebslos - jedes eventuell vorhandene Interesse an einem Thema wird durch seine Lustlosigkeit regelmäßig im Keim erstickt. Doch der Fehler steckt hier auch im System: Drei Minuten Gesprächszeit werden bei "SWR1 Leute" gefolgt von zehn Minuten Musik, Verkehrsmeldungen oder Nachrichten. Wenn's mal wirklich spannend wird: Eighties-Hits, sorry! Wir "müssen" leider unterbrechen. Wer, wenn nicht Siller selbst und Kollege Wolfgang Heim, hätte sich so ein revolutionäres Sendekonzept wohl aus dem präfrontalen Kortex winden können?

Zurück zu Santa Lucia: Englisch gibt Siller also eine Steilvorlage - was war denn nun in Santa Lucia? Siller nimmt sie nicht auf. Er hat kein Interesse, etwas über das Wunder zu erfahren. Warum? Ich weiß es nicht. Ich hätte gerne gewusst, wie sich Englisch seine eigene kleine Welt zurechtzimmert. Ich wüßte auch gerne, was in Sillers Oberstübchen vor sich geht. Wie macht er es genau? Wie schafft er es, die Spannung immer genau kurz vor dem Siedepunkt abzudrehen, zu ersticken, zu erdrosseln. Sillers nächste Frage dann staubtrocken: "Der Papst wird 85 - was wünschen Sie ihm?" 

Ist das zum Lachen oder zum Weinen?

 

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