Freitag, 1. Juni 2012

Jan Fleischhauer - degoutant

Wie bei so vielen Menschen, die mir aus tiefstem Herzen zuwider sind, würde ich eigentlich gerne verfahren wie Karl Valentin und sagen: Der ist mir so egal, den ignorier' ich nicht mal.
Doch das kann ich nicht. Deshalb muss ich über Jan Fleischhauer schreiben.

Jeder faule Hartz-IV-Bezieher ist nützlicher für die Gesellschaft als Jan Fleischhauer, der schmierige Gockel und SpiegelOnline-Kolumnist, der sich selbst als konservativ bezeichnet, aber wahrlich kein Konservativer ist. Fleischhauer ist mit seiner polemischen Hetze auf Minderheiten schädlich für die Gesellschaft als Ganzes. Faule Menschen, die vom Staat leben, haben vielleicht keinen ökonomischen Nutzen, aber zumindest schaden sie der Gesellschaft auch nicht per se.

Fleischhauer ist nicht einmal ein Linkenhasser. Um als Linkenhasser durchzugehen, müsste man zuerst einmal eine ordentliche Definition von links liefern, was Fleischhauer aber meines Wissens nie gemacht hat, es wäre ihm wohl nicht der Mühe wert gewesen; außerdem hätte eine inhaltliche Auseinandersetzung mit linken Positionen vermutlich auch seiner billigen Polemik im Weg gestanden.

Fleischhauer kennt die Positionen seiner Gegner also nicht oder er will sie gar nicht kennenlernen. Was er tut (und dies leider ziemlich erfolgreich) ist, seine eigenen paranoiden Projektionen des linken Milieus ins Lächerliche zu ziehen und bloßzustellen. Wie gesagt: seine Projektionen. Die da lauten: Hartz-IV-Bezieher sind alle faul, Immigration ist gefährlich, Reiche sind gut, Kapitalismus sowieso. 

Ich will hier klarstellen: Fleischhauer ist kein Konservativer, wie der Untertitel seines letzten Buches Unter Linken suggeriert: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde. Er wohnt in Berlin, schreibt für das Schmierblatt Der Spiegel, kommt aus einem eher linken Milieu und hat einen ganz und gar nicht konservativen Beruf: Journalist. Er ist kein bibeltreuer Schleifmaschinenfabrikant aus dem oberen Allgäu, kein Winzer aus dem Remseck. Er ist ein Schmierfink der Großstadtjournaille, ein Gernegroß des Kommentariats der Hauptstadt, ein Opportunist, der den Zeitgeist erkannt hat und schamlos auf den rechts-neokonservativen Zug aufspringt, der seit Jahren von dem intellektuellen Fliegengewicht und Auschwitz-Paranoiker Henryk M.Broder und seit kürzerem auch Thilo Sarrazin gefahren wird.

Da Fleischhauer nichts schäbig genug ist, setzte er sich zur Vermarktung seines neuen Buches, einer Sammlung seiner vollkommen öden Kolumnen namens Der schwarze Kanal, ins Fernsehstudio von Sat.1, um dort in gewohnt herablassender Manier über Hartz-IV-Bezieher herzuziehen. Auch ein Lowblow gegen Rumänen und Bulgaren war dem Mann mit der schwächlichen, spitz zulaufenden Physiognomie nicht zu billig:


Wie nichtswissend Fleischhauer auf ökonomischem Terrain ist, kann man wunderbar ab 3:30 sehen. Hier versucht der Kolumnist tatsächlich einmal sachlich gegen Hartz-IV-Bezieher zu argumentieren, was dann natürlich in die Hose geht. Fleischhauers Argument: Die Arbeitslosigkeit ist auf einem statistischen Rekordtief, die Zahlen der Hartz-IV-Empfänger sind jedoch nicht rückläufig:

"Und das ist ja eigenartig, weil man ja eigentlich annehmen müsste, dass wenn sich die Arbeitslosigkeit halbiert (seit der Wiedervereinigung, Anm.d.Autors) , dass eben auch die Leute, die Hartz IV bekommen deutlich weniger werden. Und das ist eben nicht der Fall."
Es ist schon erstaunlich, mit wieviel Ignoranz man noch eine Kolumne beim Spiegel bekommt. Andererseits ist es ja der Spiegel, also was erwarte ich? Ist Fleischhauer entgangen, dass seit den Hartz-IV-Reformen die Anzahl von prekär Beschäftigten enorm angestiegen ist? Dass Leiharbeit an der Tagesordnung ist? Dass die Reallöhne lange schon nicht mehr gestiegen sind? Dass viele Menschen nicht mehr von ihrem Einkommen leben können, und deshalb mit Hartz IV aufstocken müssen? Aufstocker - dieses Wort ist bereits in den deutschen Sprachgebrauch übergegangen - es ist praktisch unmöglich, dass Fleischhauer dies nicht mitbekommen haben könnte.

Deshalb ist es eigentlich auch müßig, darauf hinzuweisen - Fleischhauer weiß es ja selbst. Da er aber ein ignoranter Dogmatiker ist, kann er diese Tatsache natürlich nicht zur Kenntnis nehmen, denn sie würde ja seine gesamte Argumentation zunichte machen (Hartz-IV-Bezieher sind faul). Die Realität passt da einfach nicht rein.

Kaum zu glauben, doch eine Minute später (ab 4:30) schafft es Fleischhauer, sein eigenes wohlfeiles Argument noch einmal zu unterbieten. Er erzählt davon, wie er mit einem Kollegen in ein typisches Hartz-IV-Milieu nach Mettmann gefahren sei und von seinen lehrreichen Stunden mit einem Kinderzahnarzt. Wenn man, so Fleischhauer, den Kindern in die Münder schaue, sehe man viele verrottete Zähne und stelle fest, dass viele Eltern ihren Kindern nicht einmal den korrekten Gebrauch einer Zahnbürste hätten beibringen können. 

Zunächst ist die Vorstellung ziemlich bizarr, wie der schnöselige Fleischhauer mit Jackett, runder Brille und zurückgegelten Haaren nach Mettmann fährt und in die Münder von Kindern von Hartz-IV-Beziehern schaut. Was soll das? Und wie ergebnisoffen war diese Reise wohl? Quizfrage: würde Jan Fleischhauer wohl erwähnen, wenn er dort Beobachtungen gemacht hätte, die seiner ressentimentgeladenen, vorgefertigten Meinung über dieses Milieu zuwidergelaufen wären? Ich glaube, die Antwort auf diese Frage zu kennen.

Zweitens: was will der Kolumnist dem Zuschauer damit sagen? Soll den Eltern Hartz IV gekürzt werden? Und wenn ja: was hat das mit dem Zustand der Zähne der Kinder zu tun? Glaubt er, die Eltern würden sich mit weniger Geld vom Staat besser um die Zahnpflege ihrer Nachkommen kümmern? Diese Argumentation ist nicht einmal idiotisch. Es ist gar keine Argumentation. Es ist einfach nur billiges Bashing von Menschen, denen es - aus welchen Gründen auch immer - schlechter geht als dem schnöseligen Ex-Linken.

Zum Ende hin noch ein Tiefschlag gegen Rumänen und Bulgaren: da Deutschland ein reiches Land sei, wäre es für jemanden aus einem Dorf in der "Nähe von Budapest"(sic!) natürlich attraktiver, in Deutschland Hartz IV zu beziehen, als zu arbeiten, denn der Hartz-IV-Satz in Deutschland sei noch um ein Vielfaches höher als der Verdienst diesen Ländern.
Typisch für Rechte hier die  Angstmache vor Immigranten. Dabei ist Fleischhauer wohl nicht geläufig, dass Ungarn seit 2004, Rumänien und Bulgarien seit 2007 Mitglieder der EU sind und eine Massenimmigration nicht stattgefunden hat. Warum sollte sich dies 5 Jahre nach Beitritt bitteschön ändern?

Erbärmlich auch hier seine ökonomische Ignoranz: Ein Rumäne wäre mit Hartz IV in Deutschland genauso arm wie in seinem Heimatland, da die Lebenshaltungskosten natürlich viel höher sind als in Rumänien. Peinlich auch, dass er von Rumänien und Bulgarien faselte, dann aber von einem imaginären Dorf bei Budapest, was ja, wie alle außer ihm wissen, die Hauptstadt Ungarns ist.

Jan Fleischhauer könnte einem leidtun, wenn er nicht eine so große Plattform für seine unsachliche, ausländer- und minderheitenfeindliche Hetze hätte, die jeder ökonomischen, soziologischen oder irgendeiner anderen auch nur annähernd wissenschaftlich gearteten Grundlage entbehrt.








 





Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Kleine Anmerkung zu der o.g. Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, in Regierungskreisen auch gerne "Jobwunder" genannt:
Jobwunder? Die Zahl der in Deutschland geleisteten Arbeits-Stunden ist nachweislich nicht (!) gestiegen! Wie passt das zum Jobwunder?
Man nehme 1 klassischen Vollzeit-Arb.-Platz und mache daraus 2 prekäre Arbeitsverhältnisse oder 3 Mini-Jobs! Und lässt sich dafür feiern, mehr Menschen in Arbeit gebracht zu haben!
Damit sich die Leute mit weniger abfinden, schubst man 1000de durch die Drehtüren des Arbeits-Marktes.
Ergänzend werden den Arbeitgebern jetzt die Rentner (+ vdL-dosiert die Mütter) zugeführt, eine gute Idee, um den Preis für Arbeit niedrig zu halten!
So lange Einkommen aus Arbeit stärker besteuert wird, als Einkommen aus Vermögen, braucht keine Regierung von sozialer Verantwortung zu schwafeln!
MfG
Thomas Ermentrud

Anonym hat gesagt…

Mal ganz allgemein dazu:
Steuern, Subventionen und Ministerien sind erforderlich, aber die Dosierung ist entscheidend! Als Beipiel völliger Überdosierung fällt mir Griechenland ein: 5 mal so viele Beamte pro, aber keine funktionierenden Finanzämter, kein Kataster, usw.. Auch in Deutschland ist zuviel "Lenkung" im Spiel, bzw. profitieren nicht die Schwachen, sondern eher die, die ab und an mit Volksvertretern an einem Tisch sitzen. Wenn ich höre, dass die Lufthansa vor ein paar Jahren 1,5 Mio Agrar-Subventionen pa bekam, weil sie den Export deutscher Lebensmittel fördert (, wenn die Lebensmittel nach Verlassen des deutschen Luftraums den Passagiermagen erreichen!) dann ist das Wildwuchs und entspricht dem Motto: "Bediene sich wer kann!" Wer zahlt gerne Steuern für solche Subventionen? Aktuell wird "mehr Europa" als Lösung angepriesen. Eine zentr. Regierung. Wenn ich unsere demnach überflüssigen Länderparlamente und spez. die Kultusministerien sehe, hab ich einen Gedanken: Politik schafft keine Lösungen, Politik schafft Ministerien und Beamte. Wer noch produktiv arbeitet und sich dem Wettbewerb stellt ist selber schuld. Aber ok.: Politiker sehen das etwas anders. Das Gros (nicht alle!) der Volksvertreter ist peinlich: Schwätzende, egoistische Versager. Das geht nur, weil der dt Michel harmoniesüchtig und konsumbetäubt ist. Neidisch sein ist verboten, ergo findet man 6 Mio. pa für Fussballer/Banker ok.. Aufregen dürfen sich nur Bild+Express. Für Guttenberg & Wulff hat der dt. Michel Verständnis, bei Kassiererin Emily sagt er: "Man muss da eine Grenze ziehen. Pfandbon zu Unrecht eingelöst, tja..." = Er solidarisiert sich mit der Elite und macht sich zum Verlierer.
MfG
Thomas Ermentrud