Freitag, 29. Juni 2012

Jogi muss jetzt gehen

Deutschland hat mal wieder gegen Italien verloren. Und zwar ziemlich deutlich. 
Man kann über die Gründe lange philosophieren: Aufstellung, Taktik, Einstellung der Spieler, Abgezocktheit oder deren Mangel. Am Ende muss man zum Schluss kommen, dass Italien die klar bessere Mannschaft war.
Was ich nicht mehr hören kann: "Die Mannschaft ist noch jung und kann viel lernen" oder Allgemeinplätze dieser Art. Diese Mannschaft war 2006 auch schon jung. Sie ist schon viel zu lange jung, und vielleicht ist genau das das Problem.
Niemand will zurück zur Dino-Mannschaft der WM 1998 unter Bundes-Berti, die ja eigentlich noch die 1990er-Mannschaft war und sich längst überlebt hatte. Aber wie wäre es mit einer intelligenten Mischung, wie sie rein zufällig z.B. Italien hat?
Die beiden spielentscheidenden Akteure gestern, Mario Balotelli und Andrea Pirlo, liegen 13 Jahre auseinander. Die Erfahrung und Abgezocktheit des einen und die ungestüme Energie des anderen erwiesen sich als durchschlagskräftiger als Jogis Kinder.

Nichts gegen unsere deutschen Nachwuchskräfte: Götze, Reus, Schürrle und Co. mögen ja hochtalentiert sein, kein Zweifel.
Doch es bringt doch herzlich wenig, eine Mannschaft permanent zu verjüngen. Gestern stand kein einziger Deutscher auf dem Platz, der das 30.Lebensjahr vollendet hat! Das wäre vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen. Lahm und Schweinsteiger müssen da schon als die "alten Hasen" gelten, vom unterirdischen Podolski ganz zu schweigen. "Alte Hasen" sind die drei jedoch auch nur deshalb, weil sie schon als extrem junge Spieler Nationalspieler wurden, natürlich mangels talentierter Alternativen.
Die Mannschaft ist zu jung, und sie neigt zur Selbstüberschätzung. Dies wiederum führe ich nicht zuletzt auf den Trainer zurück: er sei sich ganz sicher, dass man Italien schlage, posaunte der badische Krächzer mit den taillierten Hemden und dem stets gut eingecremten Gesicht noch am Spieltag in die Mikrofone. 
Woher, so fragt man sich, kam diese Sicherheit? Von der Niederlage gegen Italien 2006, der gegen Spanien 2008 oder 2010?
Deutschland ist leider kein Topteam bei näherem Hinsehen. Diesen Stollenschuh muss sich Löw jetzt endgültig anziehen. Es war sein drittes großes Turnier als Cheftrainer, dreimal ist er gescheitert. Das ist für deutsche Ansprüche mindestens einmal zuviel.
1996, unter Vogts, gewann die Nationalmannschaft zuletzt einen Titel, die EM in England. Die Zeit ist überreif für einen deutschen Triumph. Es sieht aber langsam ganz danach aus, dass für große Triumphe Joachim Löw nicht der richtige Mann ist.
 

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