Sonntag, 3. Juni 2012

Obsttag - Fazit

Der Obsttag ist überstanden - anders kann ich es ehrlicherweise nicht sagen. Immerhin haben wir beide durchgehalten ohne Cheatmeal zwischendurch - obwohl ich mehr als einmal versucht war, mir eine handvoll Nüsse, ein Stück Brot oder auch nur einen Schluck Milch im Vorbeigehen zu gönnen.

Der Drang nach kurzkettigen Weißmehlkohlehydraten war schon am Vormittag bei einem Ausflug in die Stadt überwältigend. Obst sättigt einfach nicht, oder wenn es sättigt, dann auf ganz andere Art wie normale Lebensmittel sättigen. Morgens hatte ich ich diverse Bananen, Mus aus Apfelmark und Mango, Pfirsiche, Nektarinen. Eigentlich reichhaltig, dachte ich, und eigentlich war ich auch satt - dachte ich.

Wie gesagt: bereits nach 1, 1 1/2 Stunden unterwegs verlangte mein Körper nach all dem Schund, der eben in der Stuttgarter Innenstadt so dargeboten wird: fettreich belegte Weißmehlbrötchen, Pizzaschnitten, Bratwurst. Sogar eine schlichte Butterbrezel kam mir zwischenzeitlich wie das wohlschmeckenste Mahl vor. Bei all der Fantasiererei musste ich schon achtgeben, nicht auf die Königstraße zu sabbern.

Allerdings: natürlich hätte dieser Appetit auch nach einem Standardfrühstück einsetzen können (etwa 2 Toastbrote mit Honig und Ei). In dieser Heftigkeit wäre er aber wohl nicht gekommen. Eine weitergehende Frage, die ich mir in diesem Zusammenhang stelle, ist, ob der Körper sich einfach umstellt, d.h. morgens Kohlenhydrate gewohnt ist und deshalb danach verlangt, oder ob tatsächlich ein Mangel bestand und der deshalb so nervig nach Nahrung bettelte. Doch das weiß ich leider nicht.

Mittags dann, aus der Stadt heimgekehrt, ein Mittagessen, das zu den morgendlichen Bananen, Pfirsichen, Nektarinen und verschiedenen Mussorten noch um Erdbeeren erweitert wurde. Beim Obstessen hat man das Gefühl, man stopfe sich endlos viel Zeug in den Mund, man fresse wie ein Bekloppter, und trotzdem wird man nicht satt. Das ist insofern logisch, als dass Obst ja zu einem Großteil aus Wasser besteht. Trotzdem kommt man sich leicht bescheuert vor: hatte ich nicht gerade 3 Bananen, 5 Nektarinen und Unmengen an Apfelmark-Mango-Mus? Und bin immer noch nicht richtig satt?

Abends vor dem Laufen gehen nochmal eine Nektarine - der Körper macht noch mit, fühlt sich aber ein wenig anders an. Einerseits fühle ich mich wach und fit, andererseits ungewohnt leicht. Und eben auch wieder ein bißchen hungrig.

Die halbe Stunde Joggen macht mir erstaunlich wenig - kein Unterschied zu Tagen mit normaler Nahrung. Eine Stunde nach dem Joggen kommt gewöhnlich der Hunger. Wir überbrücken mit Nektarinen und Côtes du Rhone und schwelgen in wilden Fantasien von Pizza, Maultaschen und - in meinem Fall - Fleischbergen. Genug davon - wer sich quält, ist selbst schuld. 

Ein Abendspaziergang nach dem Duschen - alles wie gewohnt. Die manchmal aufflackernden Fantasien nach Essensgelagen und Weißmehl sind in Vergessenheit geraten, und es zeichnet sich ab, dass der Obsttag tatsächlich durchgezogen werden kann. Langsam komme ich mir blöd vor. Was ist schon ein einziger Tag? 
Nach dem Spaziergang fallen wir ziemlich müde ins Bett.

Nächster Morgen: der Obsttag ist geschafft! Zwei Überraschungen zeigen sich auf der (relativ ungenauen) Waage: Ich habe nicht abgenommen, mein Gewicht stagniert. Mein Körperfettanteil jedoch befindet sich mit 14,9% auf einem neuen Rekordtief. Dies führe ich natürlich direkt auf den Obsttag zurück - warum auch nicht? Obst hat ja kein Fett. Ich habe damit einen kompletten Tag auf Fett verzichtet. 

Warum hat sich mein Gesamtgewicht nicht verändert? Das kann ich mir nicht erklären. Aber das ist auch nicht weiter tragisch.

Euphorisch über das vollbrachte Experiment beschließen wir, nächste Woche noch einen Obsttag einzulegen, wahlweise einen Gemüsetag. Sich einen Tag zu quälen ist machbar. Vor allem wenn man sich vor Augen führt, das die Qual eigentlich nur eingebildet ist.
 




 

Keine Kommentare: