Samstag, 20. Oktober 2012

Stephan Urbach, der blauhaarige Gegner der Meinungsfreiheit

Stephan Urbach, ist 32, Mitglied der Piratenpartei und hat seine Haare blau gefärbt. Außerdem mag er Nazis nicht. Logisch. Menschen mit blauen Haaren und Nazis, das verträgt sich meistens schlecht.
Da es in linksliberalen Milieus derzeit en vogue ist, die Piratenpartei gut zu finden, hat man Stephan Urbach, dem Mann mit den blauen Haaren, ein Forum gegeben. Er durfte eine Gastartikel schreiben, und in diesem Gastartikel etwas einfordern, was man als Linker eben so einfordert oder was man einfordert, wenn man bei Linken gut ankommen will:

"Ich möchte, dass alle Plattformen Nazi-Propaganda löschen"

Die Etude zu seinen kruden Ausführungen bildet dann folgender Satz:

"Machen wir uns nichts vor - Twitter ist nicht nur toll und schön. Es tummeln sich dort allerlei Menschen, die gar merkwürdige Ansichten vertreten: Atomkraftbefürworter, Maskulisten, Evolutionsleugner, Verschwörungstheoretiker, Antisemiten und Nazis. Sie alle haben gemein, dass sie gerne und oft ihre teilweise kruden Thesen und Meinungen ins Internet posaunen. Es ist alles dabei, auch in Deutschland strafrechtlich relevante Inhalte."
Das hat er tatsächlich so geschrieben, der Mann mit den blauen Haaren. Und die Online-Redaktion der Süddeutschen Zeitung hat es wohl gefallen. Zumindest haben sie es veröffentlicht. Da muss man erst mal schlucken.
Und dabei meine ich nicht mal nur die offensichtliche Dämlichkeit des ersten Satzes, in dem Urbach feststellt, Twitter sei nicht nur "toll und schön". 

Man muss ja auch kein Studium der Neueren Geschichte absolviert haben, um festzustellen, dass es in weiten Teilen der Bevölkerung bis zum 11.3.2011 noch eine völlig vertretbare Meinung gab, die da lautete, dass Atomkraft gut und richtig sei. Auch heute gibt es noch Menschen, die das richtig finden. Viele haben angefangen zu zweifeln nach Fukushima, offensichtlich auch die Regierung (die wahren Motive seien mal dahingestellt).

Nun ist es ja so, dass man als Demokrat Unterschiede in der Sache klarmacht und die Positionen des anderen angreift, auf sachlicher Ebene. Wenn man zum Beispiel gegen Atomkraft ist, argumentiert man, was die Vorteile von erneuerbaren Energien sind und was die Nachteile von AKWs. Jeder halbwegs informierte Bürger hat sich mittlerweile ja eine Meinung gebildet, sollte man annehmen. Konsens ist aber auch in einer Demokratie, dass man die Meinungen seiner politischen Gegner wenn nicht akzeptiert, dann zumindest toleriert. Tut man das nicht, ist man eigentlich kein Demokrat, da Demokratie auf Meinungsvielfalt und - logischerweise - auf Meinungsverschiedenheit basiert.

Stephan Urbach ist kein Demokrat. Das hat er zwar nicht explizit gesagt. Es ergibt sich jedoch als logische Folgerung aus dem ersten Absatz seines ganz und gar widerwärtigen Pamphlets auf sueddeutsche.de

Stephan Urbach, der Mann mit den blauen Haaren und dem schwarzen T-Shirt, findet, dass Atomkraftbefürworter und Nazis in die selbe Kategorie gehören. Menschen, die nicht seine Meinung vertreten, und Menschen, die für den industriellen Massenmord an sechs Millionen Juden verantwortlich zeichnen, hält ein "Politiker" mit blauen Haaren für gleichwertig.

Und sueddeutsche.de hat es veröffentlicht. 

Ich will nicht weiter auf den "Artikel" eingehen, in dem sich Urbach dazu versteigt zu fordern, Tweets von Nazis löschen zu lassen. Auch an dieser Forderung zeigt sich freilich seine verquere Haltung zu Meinungsfreiheit: wer nicht denkt wie ich (links), dem soll der Mund verboten werden.
Der Artikel ist es nicht wert, ihn weiter zu kommentieren. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, und sie gilt nun mal auch für Nazis. Das muss man dulden.

Ist es nicht ironisch? Ein Artikel gegen Nazis, das ist doch eigentlich wie ein Elfmeter ohne Torwart. Man kann nichts mehr falsch machen. Stephan Urbach hat das geschafft. Er hat es tatsächlich vollbracht, sich selbst zu diskreditieren und die Nazi-Geschichte verblassen zu lassen. Allein für diese Leistung muss ich ihm dann aber doch einen gewissen Respekt zollen.

 





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