Montag, 20. Mai 2013

Lucke gegen Snower oder: Luzide Logik gegen Marionette eurokratischer Ideologie

Wie eine eigentlich gut gemeinte Idee sehr schlecht umgesetzt werden kann, ist derzeit bei faz.net zu beobachten, wo ein Gespräch zwischen AfD-Gründer Bernd Lucke und Dennis Snower, Präsident des Weltwirtschaftsinstitutes in Kiel, als Audio-Stream sowie - in gekürzter Version - zum Nachlesen abrufbar sind. Es geht natürlich um die Zukunft des Euro. Ich habe mir die Zeit und Geduld genommen, mir die deutlich ausführlichere Audio-Version zu Gemüte zu führen, die insgesamt zwei Stunden lang ist. Eine Stunde davon hörte ich mir an, danach konnte ich nicht mehr. Grund für mein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Gespräch war die pomadige, zähe, eigentlich nur Staatsbeamten eigene Beharrlichkeit Snowers, mit der er seine nichtigen Argumente in die Länge, Breite und Tiefe zog; irgendwie schaffte er es, aus kleinen Punkten und deutlichen Fragen einen unschön anzusehenden, diffusen Brei anzurühren, bei dem man nach fünf Minuten bereits die eingangs gestellte Frage wieder vergessen hatte.

Lucke war erfrischend wie immer: in klaren, präzisen, druckreifen Sätzen sezierte er das amalgamverseuchte Potpourri Snowers und breitete seine eigenen, schlüssigen Thesen und Lösungsansätze aus; dabei immer klar stellend, dass die AfD keineswegs unbedingt die D-Mark wieder einzuführen gedenkt, sondern dies nur als letzte Möglichkeit ansieht. Luckes luzide Ausführungen konnten den durch Snower mit einer dicken Staubschicht bedeckten Schlagabtausch leider aber nicht vollends befreien. Grund für den Leerlauf im Gespräch war sicherlich auch die viel zu passive Gesprächsmoderation der Herren Hank und von Petersdorff seitens der F.A.Z. Hank war bemüht, besonders intelligent klingende Fragen zu stellen, wohl in der Absicht, sich vor Wirtschaftsprofessor Lucke zu profilieren, oder anders: sich vor ihm keine Blöße zu geben. Von Petersdorff stellte hin und wieder wenigstens ein paar Fragen, die der Klärung von Begrifflichkeiten dienen sollten. Trotzdem versäumten es die beiden, dem Gespräch Geschwindigkeit zu verleihen. Vor allem die tranige Behäbigkeit Snowers hätte man dringend unterbinden müssen.

Unterm Strich kann man festhalten, dass sich Dennis Snower als Marionette der eurokratischen Elite offenbarte, der die gescheiterte Europolitik - hie und da leicht abgeändert - gerne weiter treiben will. Er findet den Euro gut, das stellte er gleich zu Beginn klar, als er behauptete, er würde den Euro wieder einführen. Das Ausbluten der europäischen Peripherie ignoriert er mit dieser Einstellung genau so imposant wie das dramatische Anwachsen der Deutschenfeindlichkeit in Europa, die Gefahr einer Transferunion (die de facto bereits besteht), das Problem der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der Länder der Peripherie bzw. aller Länder außer Deutschland sowie eine Vielzahl an Problemen, die zusätzlich mit dem Euro verbunden sind. 

Aber an diesem Gespräch wird klar, wie stark der Zeitgeist ist und die Lügen, die mit ihm verbunden sind. Eine dieser Lügen, die die Eliten der EUdSSR über die Jahre hinweg ganz bewusst und überaus erfolgreich verbreitet haben, ist die Synthese von Europa und Euro. Es ist eine erschreckende Tatsache, dass ein Großteil der deutschen Bevölkerung den Euro mit der Existenz Europas gleichsetzt. Das ist aber natürlich nur die Spitze des Eisbergs. Viele kleine, subtile Lügen ideologischer Propaganda sind bereits ins allgemeine Denken übergegangen und prägen die Grundüberzeugungen der Deutschen und der Europäer. Für Euro-Skeptiker sind die Zeiten also eigentlich so schlecht wie noch nie. Lucke und die AfD allerdings sind Leuchttürme, die ein Fünkchen Hoffnung verbreiten: man muss hoffen, dass ihre Botschaft so viele Wähler wie möglich erreicht.

1 Kommentar:

Cangrande hat gesagt…

Hatte ich völlig übersehen, dass das Gespräch in längerer Form als Audio-Stream vorliegt.
Werde mir allerdings ein Anhören nicht antun.

Den gedruckten Text hatte ich, was Snowers Äußerungen angeht, sehr detailliert untersucht: http://dreyfusss.blogspot.de/2013/05/lucke-gegen-sower-oder-luzide-logik.html