Montag, 6. Mai 2013

Precht und die Schule: Vielleicht liegt er ja richtig!

Da der Fernsehphilosoph Richard David Precht ja derzeit mit seiner idée fixe durch die Talkshows tingelt, man solle in der Schule die Noten abschaffen, Lehrer sollten in Teams unterrichten und alles sollte sozialer werden, will auch ich jetzt meinen völlig unqualifizierten Meinungshut in den Ring werfen.

Ich gebe Precht recht. Noten sind idiotisch. Meistens treffen sie nämlich gar nicht zu. Das liegt daran, dass sie von inkompetenten, faulen Lehrern vergeben werden, die ihr Hausfrauenstudium aus Mangel an anderweitigen Talenten auf Lehramt absolvierten und keine Antennen für Talent haben, sei es musisches, naturwissenschaftliches, soziales oder sportliches Talent. In ihrem muffigen, drögen Tageseinerlei spulen sie ihre erbärmliche Leier herab und brauen ein seltsames Notengemisch zusammen, was keiner versteht, sie selbst inbegriffen.

Die Schulbildung sollte mit der Grundschule aufhören bzw. freiwillig sein. Die Jahre nach der Grundschule, also ab dem 10.Lebensjahr, werden nämlich momentan vor allem auf zwei Arten verbracht. Die erste Gruppe hat keine Lust mehr, raucht und trinkt. Sie lernt nichts mehr, weil sie nicht will oder weil sie nicht kann. Die zweite Gruppe ist lernwillig und dem Leben und seinen Rätseln gegenüber aufgeschlossen. Die Kreativität und der lernwillige Impetus dieser Gruppe jedoch wird durch das fantasielose, dröge Korsett des Stundeplans aufgerieben und zersetzt. Die kreative Energie wird aus den Schülern gesaugt, es wird ihnen statt eines wohlschmeckenden, frei gewählten Menüs der Haute Cuisine eine mit Lebertran versetzte Kartoffelsuppe vorgesetzt. Die Köche dieser übel schmeckenden Suppe sind die vorher erwähnten, talentlosen und desillusionierten Lehrkörper, die mit allem überfordert sind, in ihrem eigenen Saft braten und weder Visionen noch Elan besitzen. Sie taumeln dem Burnout entgegen und haben weder die Kraft noch den Willen, Schüler zu fördern und Begabungen zu entdecken.

Die "Schule" genannte, ganztägige Legehennenbatterie, die wir aus Frankreich kennen, kann aber auch nicht das Ziel sein. Diese völlig durchstrukturierten Strafanstalten oder die boarding schools in Großbritannien sind der faule Humus, der verkorkste Persönlichkeiten hervorbringt, deren einzige Motivation aus Angst besteht. Was in Deutschland benötigt wird, ist mehr Walldorf, mehr Montessori, weniger Bewertung und weniger Angst vor Fehlern. Hier hat Precht völlig recht. Wenn wir in Deutschland wieder ein Land der Dichter und Denker werden wollen, brauchen wir Kreativität, Querschläger, Ermunterung von alternativen Lebens- und Bildungswegen. Die Gleichmacherei aus anderen europäischen Ländern oder die maschinell verarbeitete Schulindustrie können keine Vorbilder sein. Denn man sieht ja, welche Ideenwelten solche Beispiele hervorbringen. Sie sind leer, ohne eigene Vorstellung, dressierte Affen, die geführt werden müssen, weil sie keinen inneren Kompass und keinen eigenen Willen haben.

In Deutschland brauchen wir vor allem fähige Lehrer. Ich würde lieber einen talentierten Jongleur als Lehrer einstellen als einen weiteren Kordjacken tragenden, angestaubten Erdkundelehrer, der mit Fahrradhelm auf dem Kopf zur Schule fährt und sein Butterbrot in Tupperware mitbringt. Diese dröge Sorte des Beamten verkörpert das ganze Elend, das zur verstockten Verklemmung des gesamten deutschen Schulwesens geführt hat.

Keine Noten, vier Jahre Schule, finito! Danach Autodidaktik. Das wäre meine Idee.

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