Donnerstag, 4. Juli 2013

MGMTs Oracular Spectacular: Ein sprühender Spielkasten, eine Welt entrückter Nostalgie, Musik verstörender Schönheit

Ich denke nicht, dass man zu weit geht, wenn man "Oracular Spectacular", das vor 5 Jahren erschienene Erstlingswerk der Band "MGMT" in eine Reihe mit legendären Klassikern wie dem "White Album" der Beatles, "The Dark Side of The Moon" von Pink Floyd, oder aber "Are You Experienced" von der Jimi Hendrix Experience stellt. Das Album ist einfach in jeder Hinsicht erstaunlich, elegisch, experimentell und im besten Sinne psychotisch.

Die beinahe schwindelerregende Meliodiösität, die völlig ausufernde Wechselhaftigkeit der Rhythmen, die nostalgische Grundstimmung sowie die visionäre Strahlkraft dieses melancholischen Diamanten sind zum Heulen schön, zum Lachen traurig und bescheren nach kurzem Hören eine Gänsehaut wie nur wenige andere. Die Musik der New Yorker hat noch eine weitere Qualität, die nur ganz wenige musikalische Werke aufweisen, und die sie deshalb von der Masse des mittelmäßigem Einerleis abhebt: Sie ist gleichzeitig spielerisch leicht und von einer jungen, coolen und abgezockten Lockerheit geprägt; gleichzeitig aber schreit das Album eine seltsame Mischung aus Verzweiflung und Melancholie in die Welt, die ganz intim und nah ist, zwar immer lakonisch und unaufgesetzt, aber immer einen Gefühlskern berührt und den Hörer gefangen nimmt.


Die Grundstimmung bei MGMT: Nostalgische Verklärung. Es wird einer Kindheit nachgetrauert, die es wohl nie gegeben hat, und wenn, dann nur in der eigenen Fantasie. Mütter und Väter werden vermisst, eine gute alte Zeit der Harmonie und Unkompliziertheit wird heraufbeschworen. "Pieces of what we used to call home" heißt es im beklemmenden "Pieces of What", einer dieser Songs, der durch seine beinahe unangenehme Direktheit und seine überfallartige Brillianz tiefe Wunden auf der Hörerseele zurücklässt, und gleichzeitig süchtig macht und immer wieder gehört werden muss: Denn er ist traurig und schön - eine Kombination, die gefährlich ist, vor allem dann, wenn sie in der Intensität auftritt, die die Musik von MGMT ausmacht. 

"Time To Pretend" ist die Hymne der Band, genau so wie "Kids", zwei Songs, die eigentlich nicht mehr zitiert werden müssen, aber dann eben doch, weil sie so einzigartig sind. "Electric Feel" besticht durch eine surreale Leichtigkeit, "Weekend Wars" oder "The Handshake" sind elektrisierende, fein ausgearbeitete Kunststücke, deren Melodien so entrückt wie schön sind. 

Es gibt noch einen Reiz bei MGMT: Man kann in einem Club stehen, betrunken, und fröhlich grinsen, wenn "Time to Pretend" gespielt wird. Man kann aber auch in sich gehen, traurig oder nachdenklich sein, und "Pieces of What" hören. Und wieder. Und immer wieder, bis es einem zum Hals raushängt - also nie. 

Musik ist eine universale Sprache: Diese abgedroschene Hippie-Phrase erfährt bei MGMT einen anderen Twist. Die Sprache von MGMT ist universal, aber auch janusköpfig und zwitterhaft in ihrer Emotion. Sie ist kaum greifbar oder einzuordnen. Sie ist depressiv und nostalgisch, bunt und schillernd, ekstatisch entrückt und psychedelisch glitzernd. "Oracular Spectacular" ist ein bunter Spielkasten, eine Fundgrube. Sie nimmt uns an die Hand und in die Zeitmaschine, und führt uns in Zeiten, die wir nie wirklich erlebt haben, aber die wir alle kennen: In eine glückliche Kindheit voller netter Menschen, Spielkameraden, ewig blauem Himmel und unendlich rot glühender Sonne. Eine Welt der Nostalgie, die ein verführerisches Gift ist, auf dass man sich von Zeit zu Zeit gerne einlässt. Die Zeit, in die uns MGMT entführt, kennt jeder: Sie ist wie aus einem kollektiven Gedächtnis entsprungen. Was will uns die Musik sagen? Gibt es eine tiefere Botschaft, ein zu entschlüsselndes Leitmotiv?

Eigentlich ist es egal. Eine archaische Seite berührt dieser Bastard aus Rock und Elektro so oder so: Sie bedarf keiner weiteren Analyse. Sie ist was sie ist, steht für sich und genügt sich selbst. Sie ist das, was gute Musik sein muss.




When the world has turned
Paralyzed and wrong
Cold blooded claws
Never offered anything at all
Past the point of love
Shattered and untied
Waiting to pick up the pieces
That make it all alright

But pieces of what
Pieces of what
Pieces of what
Doesn't matter any more

Moonlight on my floor
Shining through the roof
They got the city surrounded
As if I needed proof
I forgot my fear
Feelings on the rise
Burying all of the pieces
Falling from the sky

But pieces of what
Pieces of what
Pieces of what
We used to call home
Pieces of what
We used to call home

When I drank your tea
And shallow water still
At the belgian gates
I waited for my meal


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