Freitag, 27. September 2013

Bernd Lucke mit bravourösem Parforceritt im politisch korrekten Minenfeld von "Anne Will"

Bernd Lucke hat es wieder einmal gewagt, sich in eine TV-Show zu setzen. Wieder einmal wurde er von kaum erträglichen Mitdiskutanten mit eimerweise Un- oder Halbwahrheiten, Anspielungen, Vorurteilen, Falschaussagen oder ganz unverhohlenen Feindseligkeiten überschüttet, und wieder einmal parierte Lucke fast jeden Angriff gefasst, souverän und eloquent. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass der Prügelknabe des TV- und Polit-Establishments langsam an seine Grenzen kommt, so allein steht er auf weiter Flur gegen eine Armada an politisch korrekten Hanswürsten, die sich ihre weichgewaschenen, linksgrün stromlinienförmigen Einheitsmeinungen gegenseitig bestätigen und den "Bösen" von der AfD wie einen Aussätzigen behandeln. 

Ich mache mir hier nicht die Mühe, das Gesehene chronologisch abzuerzählen. Für eine inhaltliche Revision der Sendung "Anne Will" vom Mittwoch empfehle ich Martin Brosys Zusammenfassung bei boersenpoint.de. Ich will hier nur ein paar Punkte erwähnen, die ich besonders unerträglich fand, und die eine Erwähnung verdienen.

  1. Bernd Lucke saß für 40 Minuten an einem separaten Tisch, außerhalb der Runde. Warum? Nachdem die vier "Premiumdiskutanten", wie ich sie nennen will, also eine beträchtliche Weile ihre sehr gleichförmigen Meinungen ausgetauscht hatten (namentlich: Comedien Serdar Somuncu, Boulevardjournalist Poschardt, Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan sowie Ex-Ministerpräsident von Bayern, Edmund Stoiber), erbarmte sich Anne Will an die separate Bestuhlung, die sich einige Meter von der eigentlichen Runde befand, und befragte Lucke im Eins-zu-eins. Somuncus Frage: "Darf ich wissen, warum Herr Lucke nicht mit uns in der Runde sitzt?" ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Was auch immer Anne Wills Redaktion sich dabei dachte: Es ist ein ausgemachter Quatsch. So verstärkt man die sowieso schon medial verbreitete Meinung, die AfD sei eine sektiererische Randpartei, die man mit der Pinzette anfassen muss, und die nicht salon- bzw. talkshowfähig ist. Ein unmögliches Verhalten.
  2. Ein minutenlanger Streit entfachte sich rund um das Wort "entartet", das Lucke, zugegebenermaßen etwas unglücklich gewählt, in einer Rede direkt am Wahlabend verwendete, als er von einer "Entartung der Demokratie" im deutschen Bundestag sprach. Freilich hat er damit Recht. Dass die politisch korrekte Gesine Schwan sich wie eine Hyäne auf solche Vorlagen stürzt, ist genauso vorhersehbar wie armselig. In philisterhafter Manier und oberlehrerhaftem Dünkel wies sie auf die Geschichte und den Missbrauch des Wortes durch die Nazis hin und Somuncu ergänzte, "Entartung" sei ein von Joseph Goebbels geprägtes Wort. Eine solche Vorlage sollte Lucke zu denken geben. Natürlich hat er mit rechtsradikalem Gedankengut nicht im Entferntesten zu tun. Er wird aber seine Lehren ziehen: Benutzt man in der Öffentlichkeit ein Vokabular, das nicht ausdrücklich zum Kanon linksgrüner, politisch korrekter Sprache gehört, wird man von einer Meute ideologisch in der Wolle gefärbter Nichtswisser gnadenlos verprügelt. An eine inhaltliche Diskussion ist hernach nicht mehr zu denken. 
  3. "Einwanderung ja. Aber nicht in unsere Sozialsysteme" ist ein eigentlich recht harmloser Satz, eine Selbstverständlichkeit für jeden deutschen Bürger, der deutsche Interessen vertritt. Nicht so in unserer Gesellschaft, wo "deutsche Interessen vertreten" ein grundlegendes Übel darstellt und wo ein ganz natürliches Verlangen nach nationaler Souveränität mit einem nationalsozialistischen Glaubensbekenntnis gleichgesetzt wird. Mit oben genanntem Satz jedenfalls warb die AfD im Wahlkampf um Stimmen. Die Reaktion der Diskutanten kann sich der Leser an diesem Punkt selbst ausmalen. Da half es auch nicht, dass Lucke, einmal mehr gut vorbereitet, aus dem Wahlprogramm von CDU/CSU zitierte, wo ein fast identischer Satz zu finden war. "Rechtspopulistisch" ist hierzulande, anders etwa als "linkspopulistisch", immer noch ein Todesurteil. Warum eigentlich?  
Die Talkshow war ein Trauerspiel. Sie bewies, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk, diesmal in Form von Anne Will, kein Interesse an inhaltlichen Auseinandersetzungen jenseits der herkömmlichen Meinungen hat. Die ARD ist, wie das ZDF, von einer linken Ideologie unterwandert. Abweichende Meinungen wie die von Lucke werden alibimäßig gehört, um sie dann als "rechts", "rechtspopulistisch" oder "polemisch" abzukanzeln oder die Vertreter dieser Meinungen dünkelhaft über die deutsche Geschichte aufzuklären und ihnen im Ton des Pädagogen zu erläutern, warum ihre schreckliche Meinung nicht gesellschaftsfähig sei. Auch Anne Will kam, wie alle Journalisten vor ihr nicht umhin, Bernd Lucke nach den angeblichen "rechten Tendenzen" in der AfD zu befragen, eine Frage, die er bereits hundert mal beantwortet hat. Aber eine vorbildliche Journalistin wie Will sieht es vermutlich als ihre heilige Pflicht an, solche Fragen zu stellen. Dabei vergisst sie, was wirklich ihre Pflicht wäre: Eine inhaltliche Debatte zu ermöglichen, die Meinungen anhört, statt sie von vornherein moralisierend im Keim zu ersticken. Das hat Anne Will am Mittwoch nicht geschafft.




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