Montag, 2. September 2013

Kanzlerduell, Nelson Mandela, Twitter & Hajo Schumacher

Das gestrige TV-Duell habe ich mir erspart. Dafür habe ich, was im Nachhinein eine gar nicht mal so dumme Entscheidung war, die Analysen und Nachbetrachtungen angesehen. Ein paar Anmerkungen dazu will ich an dieser Stelle loswerden. Erstens: Obwohl ich Stefan Raab nicht leiden kann und es mir weiterhin ein Rätsel ist, wie man ein hochgeschlossenes Rundhals-T-Shirt unter ein blaues Hemd anziehen kann, war er ein erfrischendes Element in der drögen Moderatorenrunde. Zwar musste man aus Prinzip schon über die Abwesenheit Günter Jauchs froh sein. Die dauergrinsende Maybrit "Dobermann" Illner jedoch ist eine einzige Plage. Ihre gezwungen kecke, aufgesetzt lockere Attitüde ist verkrampft, unseriös und im Grund genommen einfach ziemlich dämlich. Peter Klöppel ist und bleibt Peter Klöppel, und gegen Anne Will kann man wenig sagen, weil sie eben auch nach einer nicht unerheblich langen TV-Karriere eigentlich ein leeres Blatt Papier geblieben ist. Wenigstens spielte Raab ab und an den Wadenbeißer, den man bei einer solchen Konstellation nun einmal benötigt. 

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Ist es für mich als süddeutschen Mitteleuropäer von Relevanz, dass "Apartheid-Held" Nelson Mandela aus dem Krankenhaus entlassen worden ist, in dem er drei Monate zubrachte? Ich meine: Nein. Anders sieht das die "Tagesschau", deren Moderator Jan Hofer von mal zu mal grimmiger dreinblickt. Die Redaktion der Sendung fand die Meldung sogar so wichtig, dass man ein paar Krankenwagen einblendete (wohlgemerkt der Marke Volkswagen), die irgendeine Straße irgendwo in Südafrika entlangfuhren, mutmaßlich mit Mandela im Gepäck. Ich denke, hier handelt es sich um ein Grunddilemma der "Tagesschau": Die Sendung ist nun mal auf 15 Minuten konzipiert. Ereignisarme Tage bekommen 15 Minuten Aufmerksamkeit, genau wie die Tage, an denen das World Trade Center einstürzt oder der Dritte Weltkrieg beginnt. Hier sollte man einmal darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll wäre, an Tagen wie gestern nach sieben Minuten das Wetter ansagen zu lassen und die Sendung zu beenden. Danach kann ja noch Ranga Yogeshwar etwas zum Klimawandel sagen oder andere Verschwörungstheorien verbreiten. Was Nelson Mandela betrifft: Es mag hart klingen, aber es gibt nur zwei Dinge, die in Bezug auf Nelson Mandela Nachrichtenwert hätten: Entweder er wird wider Erwarten noch einmal Präsident Südafrikas. Oder er stirbt. Alles andere sind unwürdige Lückenfüller, die so banal wie unnötig sind.

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Nochmal zum Kanzlerduell: In der Analyse im ZDF wurde natürlich - man gibt sich ja modern und jugendlich - ein ganz besonderes Augenmerk auf "Twitter" gelegt. Wer hat wann wie reagiert? Gab es einen Aufschrei? Wann hat die "Netzgemeinde" am heftigsten protestiert, und warum? Oh gütiger Hergott Jesus Christus! Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wüsste ich sofort, was ich mir wünschen würde. Ich würde mir wünschen, dass die naive Technologiegläubigkeit erwachsener Menschen aufhört zu existieren. Ich hasse Twitter. Ich hasse Hashtags, ich hasse den Hype, der damit verbunden ist. Ich hasse profilneurotische Politiker, die sich damit brüsten, "ständig online" zu sein, die jeden Furz ihres überbezahlten, bedeutungslosen Daseins auf ihrem armseligen Twitter-Account kundtun müssen. Leider hat Gott meistens kein Interesse, meine Wünsche zu erfüllen, was ich ihm ehrlich gesagt nicht übel nehmen kann. Trotzdem werde ich diese Sehnsucht weiter äußern, ohne jede Hoffnung darauf, dass sich dieser elende Zustand irgendwann verbessert. 

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Übrigens, Kanzlerduell zum Dritten: Hajo Schumacher war gestern mal wieder im TV. Bei Maybrit Illner habe ich ihn mir fünf Minuten "angetan". Seine Frauenfrisur saß wieder ganz gut. Sein inhaltsbefreiter erster Beitrag erhöhte schlagartig meine Motivation, den "Aus"-Knopf des TV-Geräts zu malträtieren. Schumacher steht symbolisch für den Berliner Hauptstadtjournalisten, der sich am Drumherum ergötzt, sich am Hype aufgeilt und an der Titte des medialen Hauptstadtzirkus nuckelt. Inhalt, Prinzipien und Überzeugungen sind ihm so fremd wie dem Taliban das Frauenwahlrecht. Somit ist er in Talkshows wie der von Illner gut aufgehoben. 
 


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