Montag, 21. Oktober 2013

Tebartz-van Elst: Was kann ein Mensch aushalten?

Als ich mich heute mittag über einen ziemlich saftigen BigMac mit Pommes und Cola her machte, spielte sich in mittlerer Entfernung auf den über einer Bar angebrachten Flatscreens folgendes ab: N24 berichtete im Minutentakt von Bischof Tebartz-van Elsts Reise nach Rom. Da saßen sie. Zwei Moderatoren, einer männlich, eine weiblich, seriös gekleidet. Mit staatstragender Miene, vielleicht ab und an dann doch ein etwas schelmisches Lächeln sich im Mundwinkel andeutend, berichteten sie über die Causa, die so bedeutungslos wie aufgeblasen ist und die die bundesrepublikanische Medienlandschaft fest im Griff hat.

Da hilft es dann natürlich auch herzlich wenig, wenn vereinzelte Stimmen sich erheben und gegen den reflexhaften, anti-klerikalen bzw. anti-katholischen Mob rationale Argumente anführen. Weiß man genaues über die Ursachen der hohen Kosten? wäre eine solche Frage. Oder: Warum ist die Empörung hier so groß, wo doch für ein fast identisches Projekt der Diözese Stuttgart-Rottenburg 40 Millionen Euro ausgegeben wurden und niemand eine Stimme erhob? Oder aber: Warum diese hemmungslose, unmenschliche Treibjagd auf einen gottesfürchtigen Bischof, wenn doch die Verantwortlichen anderer, gänzlich aus Steuergeldern finanzierten Großprojekte (etwa Klaus Wowereit) ihre Hintern schamlos in diversen Aufsichtsräten und Vorständen breitsitzen? Wowereit verschleudert Milliarden und flatulenzt sich in seinem Sozialistensessel bunt und scheckig - Bischof Franz-Peter wird durchs mediale Dorf getrieben wie einst der arme Inder im ostdeutschen Mügeln.

Aber so ist es nun einmal in Deutschland: Wer auf der Kirche herumtreten will, bekommt nicht nur einen Freifahrtschein. Er wird dabei noch subventioniert. Während Christen in Ägypten kaltblütig ermordert werden, verstummen die Medien kollektiv. Auch Heribert Prantl, der moralinsaure, immer sich im Recht wähnende Oberphilister der mittlerweile ja völlig verkommenen Süddeutschen Zeitung beteiligte sich gestern vorhersehbar bei Schlafkappe Jauch an der widerwärtigen Hatz auf den Limburger Bischof.

Mir tut Bischof Tebartz leid. Sein Dienstsitz zeugt von fabelhaftem Geschmack. Er ist von einer geradezu demütigen Schlichtheit, eine filigrane Brücke zwischen Alt und Neu, ein nachhaltiger, andachtsvoller Bau. Auch Dieter Bartetzko, F.A.Z.-Architekturkritiker, bescheinigte dem Gebäude diese Woche ganz herausragende Qualitäten. Natürlich wird auch immer vergessen, dass dieser Bau lange stehen wird und Bischof Tebartz lange überleben wird. Das Stichwort lautet ja demnach auch nachhaltig. Er ließ den Sitz für das Bistum bauen, nicht primär für sich. 

Muss die Kirche arm sein? Ich wüsste nicht, warum. Ich weiß nur eines: Vor Jahrhunderten, als der Kölner Dom, das Ulmer und das Straßburger Münster gebaut wurden, hätten Pharisäer wie Heribert Prantl am Lautesten geschrien. Verschwendung! Größenwahn! Dekadenz! Heute stehen sie still und demütig vor diesen Weltkulturerben von unschätzbarem Wert. Prantl sollte konvertieren und Protestant werden. Dann kann er sich an evangelischen Kirchen erfreuen, die sich von Lagerräumen und Fabrikhallen nur dadurch unterscheiden, dass in ihnen nichts produziert wird.

 

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