Freitag, 22. November 2013

Eric Zemmour: Konservatismus à la francaise

"Konservative aller Länder, vereinigt euch!"

Es ist zwar eine unabänderliche und augenscheinliche Tatsache, dass Euopa und die Diskurse, die in den meisten europäischen Staaten geführt werden, von einer politisch korrekten, im Grunde genommen totalitären Elite geführt werden. Doch es gibt Lichtblicke. Des öfteren habe ich in diesem Blog bereits auf Peter Hitchens hingewiesen, den unermüdlichen selbsternannten "Paläo-Konservativen" und jüngeren Bruder des legendären Sozialisten Christopher Hitchens. Hitchens schreibt eine wöchentliche Kolumne für die Mail on Sunday, die Schwester der Daily Mail, und ist oft in Radio- und Fernsehsendungen zu Gast, wo er sich gegen Feministinnen, austauschbare Parteisoldaten, prinzipienlose Aufmerksamkeitsjunkies (wie etwa der Comedien Russel Brand) und dergleichen behauptet. Hitchens ist meist polemisch, immer geistreich und sehr oft witzig (manchmal unfreiwillig). Seine Prinzipientreue, sein moderner Puritanismus und sein felsenfester Glaube an den anglikanischen Gott sind bewundernswert - in England hat er viele Fans, die ihm für seine Auflehnung gegen den Zeitgeist dankbar sind.

Auch auf der anderen Seite des Rheins, im Land unseres europäischen Bruders Frankreich, gibt es einen Peter Hitchens. Ein wenig jünger, ein wenig schmaler und ein bißchen agiler kommt er daher. Sein Name ist Eric Zemmour. Zemmour ist allgegenwärtig: Früher war er beim Figaro, mittlerweile hat er einen Radiokommentar bei RTL Radio, tritt im Fernsehen bei Ca se dispute gegen seinen linksliberalen Gegner Nicholas Domenach an und lieferte sich über Jahre in der äußerst populären Samstagabend-Sendung On n'est pas couché heftige Schlagabtausche mit Schauspielern, Buchautoren und Spitzenpolitikern. Antirassismus, artifiziell aufrecht erhaltene Schuldkomplexe, Feminismus und die Zerstörung der traditionellen Familie sind dem hyperaktiven Zemmour ebenso ein Dorn im Auge wie der Mangel an Führungsstärke, den der Chef d'Etat Francois Hollande im Augenblick an den Tag legt. Laut Zemmour befindet sich die französische Politik in den Fängen einer "Bobocratie", einer realitätsfremden und den drängenden Problemen des Landes indifferent gegenüberstehenden linksliberalen Elite, die aus ELLE-Feministinnen, masochistischen Franzosenhassern und eurokratischen Totalitaristen besteht, die die République francaise im zentralistischen Brüsseler Superstaat auflösen wollen.

Zemmour und Hitchens sind Kassandren der Neuzeit, und gleichzeitig auf so verlorenem Posten wie Don Quixote im Kampf gegen seine Windmühlen. Wer ist aber die deutsche Kassandra? Ist es Bernd Lucke? In wirtschaftspolitischer Hinsicht sehr wohl. In Deutschland ist der politische Diskurs jedoch aufgrund unserer Geschichte in vielerlei Hinsicht von vornherein beschädigt. Denn während Hitchens und Zemmour sich frank und frei als "rechts" bezeichnen können und dabei wenig Anstoß erregen, würde dies in Deutschland einem Tabubruch gleichen - die Nazi-Ecke kann für unseren Wohlfühljournalismus nie voll genug sein. Ein Mensch, der sich öffentlich als rechtskonservativ outet, darf sich hierzulande sicher sein, binnen weniger Wochen mundtot und politisch unmöglich gemacht zu werden. Ob sich an diesen Zuständen in mittlerer Zukunft etwas ändert, darf bezweifelt werden. Umso erfrischender ist es da, einen Blick nach Westen bzw. Nordwesten zu werfen, wo Meinungsfreiheit zwar auf dem Papier dieselbe ist wie in Deutschland; die Bedeutung, die ihr in England und Frankreich aber zukommt (und zugestanden wird), ist eine gänzlich andere als die in unserem harmonischen, grünlinken Biotop namens "Bundesrepublik Deutschland".

































 

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