Donnerstag, 28. November 2013

Robert Betz: Fortsetzung des Dialogs mit einem kritischen Leser dieses Blogs

Hier setze ich das Streitgespräch mit einem anonymen Leser meines Blogs fort. Es freut mich, dass es - zumal unter den anonym kommentierenden - Lesern auch solche zu geben scheint, die zivilisierte Umgangsformen schätzen. Leider kann man dies von den meisten nicht behaupten. Seine Kommentare sind wieder kursiv geschrieben und mit einem Stern (*) versehen.

*Erstmal vielen Dank, für die nette Unterhaltung, sie bereichert seit zwei Tagen meinen morgendlichen Kaffee.
Sie haben recht, ich habe evtl. vergessen, dass es sich hier um einen privaten Blog handelt und keine Tagespresse und IHren Aussagen dementsprechend zuviel beigemessen.
Deswegen möchte ich auch nur auf einzelnes eingehen.
 

1. Mit meiner frage meinte ich eigentlich, ob derjenige, der IHnen das buch geschenkt hat, vielleicht der Meinung war, sie sollten sich in Ihren Beziehungen anders verhalten?

Ihre Suggestivfrage hatte ich durchaus verstanden, und habe sie absichtlich nicht so beantwortet, wie Sie es wollten. Da Sie netterweise jetzt aber explizit schreiben, worauf ihre Frage eigentlich abzielte, kann ich ihnen gerne sagen, dass ich nicht weiß, ob es eine versteckte Absicht gab, mir dieses Buch zu schenken. Es kann sein, es kann aber auch nicht sein.

*2. Robert Betz sagt nicht, dass man seine Krankheiten "verschuldet", sondern, dass unterdrückte negative Gefühle, die Ursache für die meisten Krankheiten sind, also kranke Psyche = kranker Körper! Das hat nichts mit Schuld zu tun, in dem Sinne, dass der Mensch das absichtlich verursacht hat.


Ich denke doch sehr wohl, dass es mit Schuld zu tun hat. Denn zur Krankheit haben ganz offensichtlich Gedanken geführt, die im Betz-Universum als "falsch" gelten, nämlich destruktive Gedanken oder solche der Trauer und Hoffnungslosigkeit. Hätte man, so Betzens irrsinnige Vorstellung, diese Gedanken vorher mit Gedanken der "Liebe" ersetzt, wäre die Krankheit nicht entstanden. Ergo wäre, beispielsweise, auch ein Tumor nicht entstanden. Dafür gibt es aber keine wissenschaftlichen Beweise, es ist eine reine Behauptung seitens Betz. Das halte ich für, gelinde gesagt, verantwortungslos.
Würde man ehrlich sein, müsste man sagen: Ein Tumor oder eine andere schwere Krankheit kann unabhängig von Ihrer Gedankenwelt entstehen. Man kann jahrzehntelang überwiegend depressive Gedanken und Gefühle hegen und körperlich völlig gesund sein. Ebenso kann Optimisten und psychisch kerngesunde Menschen der Schicksalsschlag einer schweren Krankheit ereilen. Wenn man so denkt, macht das die Krankheit zwar nicht besser. Es sorgt aber sicherlich dafür, dass man sich keine Schuldgefühle einredet, die besagen, hätte man anders gedacht, könnte man heute gesund sein. 

Betz ist also mit anderen Worten eine krude Variante der Gedankenpolizei, die zwischen "richtigen" und "falschen" Gedanken unterscheidet - eine Philosophie, die ich persönlich ablehne.

*3.Robert Betz behauptet ja, dass Menschen nur tun sollten was sie lieben, also was sie wollen und fragt dann auch, wie man denkt, dass die Welt dann aussehen würde. Weiter behauptet er, die Gedanken eines Menschen über diesen Zustand der Welt wären ein guter Spiegel, für seinen unbewussten inneren Zustand. Ich finde das sehr interessant.


Was glauben Sie denn, wie die Welt aussehen würde, wenn alle das täten, was sie wollen, bzw. was sie lieben? Und ist das immer dasselbe? Wohl eher nicht. Manche würde gerne ihren Chef umbringen. Das wäre sicherlich kein Akt der Liebe, sondern einer des Hasses. Wollen tun sie es aber trotzdem. Also sind Dinge, die wir tun wollen und Dinge die wir lieben schon mal zwei Paar Stiefel. Es ist eine interessante Frage, wie die Welt aussehen würde, wenn alle das machen würden, was sie wollen. Ich persönlich denke, unsere Welt würde ins Chaos versinken, denn der Mensch braucht Rituale, Pflichten, ja, auch Vorschriften und Regeln. Aber das wäre ein eigenes Thema. Betz kommt mir vor wie ein Alt-Hippie: Liebe und Gefühle frei lassen um jeden Preis. Diese Philosophie ist auch eine Philosophie des Egozentrismus, die ich - als rehabilitierender Katholik - ablehne. 

Auch den zweiten Gedanken, den sie scheinbar interessant finden, halte ich für recht unschlüssig. Ich selbst versuche den Zustand der Welt von meiner eigenen Gefühlswelt abzukoppeln, und es bereitet mir offen gestanden eigentlich auch keine Mühe. Warum auch? Sollte man vergessen, dass im Kongo marodierende Kindersoldatenheere auf harten Drogen ganze Landstriche unsicher machen, nur weil es einem privat ganz hervorragend geht? Oder sollte man verkennen, dass es den meisten Menschen in Deutschland finanziell recht gut geht, weil man selbst gerade Ebbe auf dem Konto hat? Falls ich diesen Punkt falsch verstanden habe, korrigieren Sie mich. Es scheint mir fast zu banal, diese Punkte überhaupt aufzuführen. Ich kann mir allerdings schon vorstellen, dass man nach dem Besuch einiger Betz-Seminare verlernt hat, klar und rational zu denken und sein eigenes inneres Gefühls-Chaos mit dem Zustand der Welt vermengt.

 *Übrigens hat sich auch mir der Gedanke bald aufgedrängt, er wäre eine Art Sektenführer, da er schon einen Kult um seine Person zu betreiben scheint. Aber ich halte das nicht für gefährlich, er beschäftigt ja keine Gotteskrieger ooder so.

Das kann ich nicht beurteilen. Da Betz kein Charisma hat (meiner Meinung nach), taugt er für mich nicht zum Sektenführer. Aber meiner Meinung nach kann er auch nicht schreiben und verkauft dennoch Bücher in Millionenauflage. Also wäre ich mir nicht so sicher, ob er nicht doch das Zeug zum Guru hat.







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