Mittwoch, 4. Dezember 2013

Liebe Bettina Erasmy,

anlässlich des 50.Geburtstags des Romans "Frost" von Thomas Bernhard im Jahr 1963 durften Sie in der F.A.Z. von gestern, dem 3.Dezember 2013, eine Art Hommage auf den in den späten Achtziger Jahren verstorbenen österreichischen Autor verfassen. Wer auch immer bei der Frankfurter Allgemeinen dies veranlasst hat, wird wohl selbst mittlerweile gemerkt haben, dass dies eine eher mittelmäßige, vielleicht sogar eine ganz und gar falsche Entscheidung gewesen ist. Denn ihr Text über Bernhard wirkt nicht nur überheblich und blasiert. Es scheint vor allem so zu sein, dass Bernhard Ihnen nur als Folie dient, um sich in nicht sonderlich subtiler Manier selbst als Autorin zu profilieren.

Ganz besonders anstrengend aber fand ich ihre ständige Verwendung von Bernhards Namen mit einem vorgestellten bestimmten Artikel: 
"...und wenn das so ist, dass der Thomas Bernhard auch durch das Ich spricht..."
 "Natürlich könnte so einen Satz auch der Thomas Bernhard selbst sagen...."
 "Überhaupt glaube ich, ist der Thomas Bernhard vor allem der Maler..."
"und man doch weiß, dass der Thomas Bernhard sich in Weng gut auskannte..."
"Natürlich weiß man, dass man die Dramen und die Prosa von dem Thomas Bernhard nicht allzu biografisch lesen soll..."
"Und weil der Thomas Bernhard ein eifriger Geher war..."

Dies sind nur ein paar Beispiele, und sie stammen alle aus den ersten zweieinhalb Absätzen des Artikels, der insgesamt 19 Absätze zählt. Man wird also permanent mit diesem seltsamen Stilmittel von Ihnen, Frau Erasmy, gequält. Wie Sie in ihrem ganzen Artikel nicht aufhören zu betonen, verstehen Sie Bernhard und seine Literatur ja ganz besonders gut. Das habe ich zur Kenntnis genommen. Das war Ihre Botschaft. Aber warum sprechen Sie andauernd von "dem Thomas Bernhard"?

Ist der Autor ein Kind? Sind Sie ein Kind? Finden Sie ihn lächerlich? Zum Lachen? Doof? Kauzig? Denn genau dies bewirkt dieses Stilmittel beim Leser. Fühlen Sie sich Bernhard überlegen? Denken Sie, in einem Anfall von größenwahnsinniger Selbstverkennung, Ihre Prosa könnte sich auch nur eine Zeile lang mit der Bernhards messen? Was genau berechtigt sie dazu, von "dem Thomas Bernhard" zu schreiben, und das nicht einmal, sondern, auf den ganzen Artikel bezogen, wohl mehr als fünfzig Mal? Finden Sie sich äußerst intelligent und witzig? Soll Ihr Artikel über einen der größten Schriftsteller des 20.Jahrhunderts uns augenzwinkernd vermitteln, dass man ihn nicht ganz ernst nehmen darf? 

Kommentare:

Thomasens Berner hat gesagt…

Lieber Herr Baur,

ich würde Ihnen raten einmal ein Buch von Thomas Bernhard zu lesen, dann würden Sie dieses von Ihnen als "seltsam" betitelte Stilmittel verstehen.

Mit freundlichen Grüßen,

DER Frost

T.Baur hat gesagt…

Danke für den Hinweis, ich las bereits "Auslöschung" "Holzfällen". Bernhard wusste das Stilmittel im Gegensatz zu Frau Erasmy jedoch einzusetzen. Vielleicht, weil es SEIN Stilmittel war?

Das Imitat reicht dem Original eben nicht das Wasser.