Samstag, 1. März 2014

Sarrazin, Held der neuen Rechten

Thilo Sarrazin scheint es langweilig zu sein. Schon wieder hat er ein Buch veröffentlicht. Diesmal nennt er es “Der neue Tugend-Terror”. Da mir sein Bestseller “Deutschland schafft sich ab” vor einigen Jahren geschenkt wurde, quälte ich mich damals pflichtbewusst durch das Buch (Pflichtbewusstsein ist übrigens eine Sarrazin zufolge äußerst wichtige “Sekundärtugend”). Denn die Lektüre war tatsächlich eine Qual. Seither musste ich zum Glück kein Buch mehr lesen, dessen Diktion dröger und knöcherner war als die von Sarrazins semi-rassistischem Pamphlet. Man kann für seine Leser nur hoffen, dass er für seine aktuelleren Schmöker einen Ghostwriter engagiert hat.

Dabei fände ich es eigentlich erfrischend, wenn auch mal eine gut geschriebene rechtskonservative Polemik das Medien-Establishment aufrüttelte. So wie Peter Hitchens es in England tut oder Eric Zemmour in Frankreich. Aber Sarrazin ist leider stilistisch und rhetorisch nicht viel begnadeter als Lothar Matthäus. Seine Thesen sind unterkomplex und somit massenkompatibel; leider verpasst er es, sie auch eingänglich und pointiert zu formulieren. 

Seine fremdenfeindlichen Meinungen fielen in Deutschland auf fruchtbaren Boden; sein hölzerner Duktus, der dem eines Schalterbeamten bei der Deutschen Bundesbahn gleicht, machte zumindest für mich jeden möglichen Lesegenuss zunichte.

Die schärfste Waffe des Polemikers ist nun mal die Sprache. Bei Sarrazin bleibt diese stumpf. Wenn ich mich schon mit dem Denken eines offenkundig von allerlei Ressentiments geplagten Pensionärs auseinandersetzen muss, dann würde ich doch schon gerne ein wenig Spaß beim Lesen haben. Leider kann mir Sarrazin diesen Spaß nicht bieten, weshalb ich ganz bestimmt kein Geld für seinen privaten Feldzug gegen eine von ihm imaginierte Gesellschaft ausgeben werde.

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