Samstag, 8. März 2014

Wulffs letzte Schlacht

Wie abzusehen war, ist der frühere Bundespräsident Wulff heute freigesprochen worden. Damals, als sein Verhalten skandalisiert wurde, musste man den Eindruck gewinnen, es mit einem der größten Schwerverbrecher in Deutschland zu tun zu haben. Als hätte es seit der Hinrichtung des Schinderhannes keinen übleren Kriminellen gegeben als Christian Wulff. Aber so war es natürlich nicht. Er hatte für sein biederes Backsteinhaus einen etwas günstigeren Kredit bekommen als gemeinhin üblich. Ihm wurde ein Essen auf der Wiesn bezahlt, sowie ein Hotel-Aufenthalt. Außerdem bekam sein Sohn ein Bobbycar geschenkt.
Das alles – und die paar anderen Vorwürfe, die man ihm noch machte – war unappetitlich. Wulff hatte nie das Format, Bundespräsident zu sein. Er wirkte immer wie ein braver, etwas verzagter Spießbürger, geisteseng, angepasst und unterwürfig. Obrigkeitshörig auch und unsicher. Wenn man so will, war er die perfekte Verkörperung des deutschen Durschnitts-Michels.
Die Causa Wulff sagt trotzdem mehr über die deutsche Öffentlichkeit aus als über Wulff selbst. Denn der völlige Verlust jeder Verhältnismäßigkeit zeichnete nicht nur diesen Fall aus, sondern wiederholte sich auch im Fall des Limburger Bishop of Bling Tebartz-van Elst. Die Gehässigkeit dieser Treibjagd auf einen Menschen war schäbig, zutiefst unchristlich und maßlos. Wulff hatte sich verdächtig gemacht, und er hätte die kleinen Geschenke und Gefälligkeiten korrekterweise ablehnen müssen, die man ihm zuteil werden ließ. Aber Menschen machen Fehler.
Wulff hatte keine Nackbilder unschuldiger Jünglinge bestellt. Er war ein bißchen korrupt, so wie es jeder Abgeordnete des Bundestags auch ist. Er konnte das Amt des Bundespräsidenten vom ersten Tag nicht ausfüllen; an allem mangelte es ihm. Das war sein eigentliches Problem, und das war das Problem, das die Medien größtenteils mit ihm hatten. Die Korruption war der willkommene Anlass, das gefundene Fressen, um die Chance am Schopf zu packen, den Menschen Wulff aus dem Amt zu jagen und zu zerstören. Diese Zerstörung, wie man seit heute weiß, ist nicht geglückt. Die vorerst letzte Schlacht hat Wulff gewonnen, und ich kann daran nichts Schlechtes finden.

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