Mittwoch, 9. April 2014

Thomas Leif (SWR) denunziert die AfD

Ich weiß nicht, wer Thomas Leif genau ist. Ich weiß auch nicht, warum er eine Talkshow im SWR hat, und warum er langweilige Dokumentationen drehen darf, bei denen weniger die Sache als er, Thomas Leif, selbst die Hauptrolle spielt.
Eines aber weiß ich: Die gestern im SWR ausgestrahlte Sendung “Leif trifft…”, bei der die “Alternative für Deutschland” porträtiert werden sollte, war ein Schmierenstück erbärmlichen Niveaus, das jedem objektiven Journalisten die Schamesröte ins Gesicht treiben müsste.
Tendenziös, populistisch, spröde: Das ist Leifs Stil. In den 45 Minuten ging es dem pausbäckigen Boulevardjournalisten unter dem Deckmäntelchen journalistischer Neugierde einzig und allein darum, die AfD durch die braune Sauße zu ziehen und die Rechtskeule zu schwingen. Mittels Anspielungen, Suggestivfragen und Interviews mit ausgemachten Gegnern der AfD bestritt Leif ein dreiviertelstündiges Hetzjournal, dass die anfängliche (natürlich unbegründete) Prämisse, die AfD sei “rechts von der Union” im Kopf der Zuschauer zementieren sollte.
Zur Erreichung seines Ziels war Leif nichts zu schade. Er scheute dabei weder ein Interview mit dumpfen, unaufgeklärten und gewaltbereiten “Autonomen”, die regelmäßig AfD-Veranstaltungen stören. Noch ein Interview mit Volker Wissing, einem ungehobelten Parteisoldaten der Splitterpartei FDP, der die AfD doch tatsächlich als “Schandfleck” bezeichnen durfte – natürlich gern gehört vom nickenden Leif, der selbstverständlich auch auf eine Nachfrage verzichtete, weswegen die AfD diese Beschimpfung denn verdient habe. Das Soundbyte Wissings passte Leif nur allzu gut in seine dröge Kampagne.
Wie steht die AfD zum Freihandelsabkommen? Will sie einen Mindestlohn? Wie steht die Partei zur Bankenunion? All das sind Sachfragen, die Thomas Leif gestern nicht gestellt hat. Daran hatte er auch kein Interesse – ganz offensichtlich. Finanziert von Geldern zwangsfinanzierter GEZ-Gebühren fuhr er kreuz und quer durch die Republik, um selektiv auch noch so kleine Anzeichen für sein Urteil “AfD ist rechts” zu finden, das von vornherein sowieso fest stand.
Geradezu lächerlich war dabei der krampfhafte Versuch, Thilo Sarrazin ein negatives Zitat über die junge Partei zu entlocken. Alles, was der Buchautor aber auf mehrfaches Nachhaken Leifs äußerte, war, dass die AfD ein etwas konfuser Haufen sei, bei dem noch Ordnung gemacht werden müsse – welch Wunder bei einer Partei, die erst gut ein Jahr existiert.
Bernd Lucke, den er mehrfach begleitete, blieb wie immer bewunderswert sachlich. Ein einziges Mal wies er den SWR-Mann darauf hin, dass seine Fragen doch etwas tendenziös seien. Das war wohl nach der fünfzigsten Frage des untersetzten Reporters nach rechten Tendenzen in der Partei. Andere wäre da schon längst an die Decke gegangen oder hätten ihn des Raumes verwiesen.
Beispielhaft für die Heuchelei Leifs war auch sein (angesichts der Persönlichkeit Luckes dämlicher) Vorwurf, Lucke sei eine “Führerpersönlichkeit”, die “eiskalt” durchgreife. Ein paar Minuten später traute ich meinen Ohren nicht: Da warf Leif Lucke plötzlich vor, einen thüringischen Landesvorsitzenden, der sich in einem Radiointerview im Ton vergriffen hatte, nicht aus der Partei auszuschließen. Einmal also Lucke als eiskalter Führer, der Tabula Rasa macht, ein anderes Mal der viel zu schwache Zauderer: Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn Kritiker nicht einmal wissen, was sie jemanden vorwerfen sollen.
Thomas Leif hat sich gestern Abend bis auf die Knochen blamiert. Seine mehr als tendenziöse Reportage war  offenkundig darum bemüht, die ältesten Vorurteile über die AfD aufzuwärmen. Sein Angriff auf die AfD hatte etwas von einem Scharfschützen, der im Gefecht plötzlich feststellt, dass er nur Platzpatronen hat, aber so tut, als würde er einen Treffer nach dem anderen landen. Eine Bankrotterklärung des SWR, und ein Sieg für die AfD nach technischem KO.

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