Freitag, 28. März 2014

Reiner Ruf, Chef-Chauvinist der "Stuttgarter Zeitung"

Reiner Ruf mag keine Landmenschen. Das hat er zwar nicht explizit so formuliert. Sehr wohl geht es aber aus seinem heute in der Online-Ausgabe der Stuttgarter Zeitung veröffentlichten Kommentar zur Lage der Landes-CDU hervor.

In diesem Kommentar erörtert Ruf das angebliche Dilemma der CDU Baden-Württembergs und derem Vorsitzenden, Thomas Strobl, in “urbanen Gefilden” (Ruf) nicht Fuß fassen zu können. Als Beleg für seine – sicher nicht falsche – Behauptung führt Ruf Konstanz als einzige größere Stadt an, die von einem “schwarzen” Oberbürgermeister regiert werde. Deshalb, so der Kommentator weiter, sei die Grundausrichtung Strobls falsch, den nächsten Landtagswahlkampf “vom Land her” zu konzipieren.

Im letzten Abschnitt dann ergeht sich Ruf in chauvinistischer Blasiertheit: Der Landes-CDU fehle es an Köpfen, die “liberale Weltläufigkeit mit einem intellektuell grundierten, aufgeklärten Konservatismus” verbinden könnten. Er schließt mit dem Satz: “Landeier werden in den Städten aber nur auf den Wochenmärkten geschätzt.”

Zunächst bleibt hier festzuhalten, dass gerade dieser letzte Satz wohl ein trauriger Gipfel an selbstgefälliger Borniertheit ist. So etwas kann vielleicht, wollte man böse sein,  wirklich nur einem eingefleischten Stuttgarter einfallen, also einem rechthaberischen Pietisten, der immer alles besser weiß und auf die Landbevölkerung von oben herab sieht. 

Darüber hinaus ist der letzte Satz dumm und verrät viel über Rufs Nichtkenntnis der Tatsachen. Denn Stuttgart selbst kann eigentlich schwer als Metropole und Großstadt im engeren Sinn bezeichnet werden und ist vielmehr eine Ansammlung von Dörfern. Der Stadtkern ist recht übersichtlich; die “liberale Weltläufigkeit”, die Ruf anmahnt und von der er sicherlich nicht sagen könnte, was sie eigentlich ist, wenn man ihn danach fragte, ist in Stuttgart nie zu Hause gewesen (was ich auch gar nicht schlimm finde). 

Letzteres sieht man eben auch daran, was für Redakteure in der meistgelesenen Stuttgarter Zeitung, der “Stuttgarter Zeitung” nämlich, Kommentare verfassen dürfen: geistesenge Chauvinisten, die sich ein gutes Gefühl verschaffen, indem sie ländlichen Wählern ans Bein pinkeln und ihnen Weitblick und Intellekt absprechen.

Es ist übrigens ein gut gehegtes Vorurteil, dass auf dem “Land” nur erzkonservativ gedacht wird. Dieses Vorurteil sagt natürlich, wie immer bei solchen Dingen, mehr über die Person aus, die das Vorurteil hegt, als über das Objekt des Vorurteils, nämlich die Landbevölkerung. 

Auch an der oberen Donau, meiner Heimat, gibt es Internet und Zeitungen, sogar, Reiner Ruf wird staunen, überregionale und internationale. Es gibt Kneipen, Studenten und Studierte, es gibt geistreichen Austausch, und die meisten Menschen gehen so wenig in die Kirche wie in der Stadt, was bedauerlich ist, aber eine Tatsache. Sigmaringen, die obere Donau und die Schwäbische Alb sind von Bürgern bewohnt, die an “liberaler Weltläufigkeit” den pietistischen Stuttgartern in nichts nachstehen. Vermutlich sogar im Gegenteil: Als ehemalige Hohenzollerische Lande Teil Preußens und als vormals souveränes hohenzollerisches Fürstentum ist in Sigmaringen traditionell mehr “Weltläufigkeit” vorhanden als in Württemberg, das über Jahrhunderte als biederes Herzogtum in der Bedeutungslosigkeit dümpelte und nur durch Napoleons Gnaden einen kurzen, gut hundertjährigen Auftritt als Königtum hatte. Und das, obwohl Sigmaringen nicht mal 20.000 Einwohner zählt. 

Tja, aber das interessiert Leute wie Herrn Ruf doch nicht: Vorurteile wollen gepflegt werden, und Fakten stören da natürlich nur.

Ich selbst bin kein CDU-Wähler, sehe aber dennoch klar das Erfolgspotenzial einer auf das Land zugeschnittenen Strategie der CDU. Baden-Württemberg ist nämlich, genau wie Bayern, ein ländlich geprägtes Bundesland. Das sieht man ja wiederum daran, dass die größte Stadt des 8 Millionen Einwohner umfassenden Landes gerade mal auf 650.000 Einwohner kommt: nämlich Stuttgart, die Weltmetropole, in der “liberale, weltläufige” Charaktere wie Reiner Ruf von der “Stuttgarter Zeitung” verkehren.

Baden-Württemberg ist ländlich, christlich und konservativ, was mir persönlich sehr gut gefällt. Dass bornierte, atheistische und linksliberale Zeitungskolumnisten diese drei Adjektive immer wieder despektierlich als Ausweis für eine gewisse geistige Unbeweglichkeit zitieren, fällt wiederum als Urteil auf die Zeitungskolumnisten zurück, nicht aber auf die Landbevölkerung, die Sonntags nach dem Gottesdienst die F.A.S. studiert und zu ausgewogenen Urteilen über Weltpolitik, Geisteswissenschaften und Ökomomie gelangt und über hemdsärmelige Württemberger Journalisten wie Reiner Ruf nur süffisant den Kopf schüttelt.

Strobls Strategie wird 2016 also aufgehen, und Reiner Ruf wird alles auf die “provinzielle” Landbevölkerung schieben, die ja so zurückgeblieben ist in seinen kurzsichtigen, protestantischen Württemberger Augen. Übrigens ist es belustigend, einer Landbevölkerung vorzuwerfen, sie sei “provinziell”. Man könnte auch einem Fisch vorwerfen, er sei nass, oder einem Eskimo, er wäre aber etwas dick angezogen. 

In der Provinz ist man nun mal provinziell, und das im besten Sinne des Wortes. Ein Problem ist einzig und allein, wenn Großstädter, die eigentlich “liberal und weltläufig” sein sollten, in provinzielle und geistesenge Chauvinismen abgleiten, so wie etwa Reiner Ruf von der “Stuttgarter Zeitung”. Deshalb ist mein Appell an Reiner Ruf: Werden Sie großstädtisch – zeigen Sie Größe! Stuttgart ist besser als sein “Ruf”!

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