Sonntag, 25. Januar 2015

Draghi handelt. Wachen die Sparfetischisten endlich auf?

Mario Draghis beispielloses Anleihenkaufprogramm ist eine feine Sache. Weniger ökonomisch, da es nichts bringen wird. Die Banken, die plötzlich liquide sind wie nie, werden den Teufel tun und es in die Realwirtschaft investieren. Wie naiv muss man sein um zu glauben, dass Banken heute freiwillig in die Realwirtschaft investieren? Lächerlich! Banken investieren dort, wo sie ein geringes Risiko eingehen und eine hohe Rendite erwirtschaften: Am Finanzmarkt.

Nein, ich begrüße Draghis Entscheidung aus einem anderen Grund. Deutschen Austeritätsfanatikern wird engültig klar werden, dass die Eurozone ein Verbund von gleichberechtigten Nationen ist, deren Bedürfnisse ebenso gleichberechtigt sind. Diese Tatsache ist bei vielen Deutschen, unter anderem bei der Bundesregierung, leider immer noch nicht angekommen. Für sie ist die Eurozone ein deutsches Protektorat, dessen größtenteils südländische Vasallenstaaten nicht richtig spuren, sprich: Nicht die nötigen "Strukturreformen" durchsetzen, die ja, wie man am sozialen Kahlschlag in der entsolidarisierten deutschen Gesellschaft sieht, allein seligmachend sind und deshalb dringend überall durchgepeitscht werden müssen.

Die Medien sind zum großen Teil an Bord der Austeritätsapologeten. Heute saß Wolfram Weimer, das Abziehbild eines elitären Establishment-Journalisten, im "Presseclub" und echauffierte sich affektiert über die Entscheidung der EZB, die vor allem politisch sei, was sie, Weimer zufolge, aber nicht sein dürfe. Wild und energisch malte er das Schreckgespenst der Inflation an die Wand - ein Lieblingshobby der notorischen Sparfüchse und "Strukturreformer", die an Muttis Rockzipfel hängen und sich von ihr in den Schlaf wiegen lassen. Weimer und seinesgleichen verstehen nicht, dass eine Wirtschaft wie die griechische nur durch massive Investitionen, nicht aber durch preußische Spardisziplin auf die Beine kommt. Wenigstens Draghi versteht es. Darüber muss man froh sein.

Es ist schon rätselhaft, wie so viele Deutsche glauben konnten, der Euro würde eine Hartwährung bleiben. Warum sollte das denn so sein? Deutschland war immer eine Ausnahme. Die D-Mark war stabil, es gab wenig Inflation, man blieb wettbewerbsfähig trotz der starken Währung oder vielleicht gerade deshalb. Man wollte nicht durch Abwertung im internationalen Wettbewerb bestehen, musste deshalb auf Qualität und Innovation setzen. Doch in Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland war das nie der Fall. Wie kommen die Deutschen also heute auf die Idee, sie würden betrogen? Betrogen müssen sich vielmehr all die Staaten fühlen, die seit mittlerweile 5 Jahren unter dem Merkel'schen Sparzwang leiden. Wie konnte es sein, dass ein einziger Staat, Deutschland, den 17 anderen Euro-Staaten so lange seinen Willen aufzwingen konnte, ohne Widerspruch zu ernten?

Vielleicht hat Mario Draghi mit dem zum Scheitern verurteilten Programm das Ende des Euros und damit das Ende der schrecklichen deutschen Hegemonie in Europa eingeleitet. Jeder, der an einem friedlichen Europa interessiert ist, wie es zwischen 1945 und 2008 bestand, müsste daran Interesse haben. Die Stimmung in Europa ist so konfliktgeladen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Wie damals ist Deutschland das Hassobjekt. Wie damals sind die deutschen Eliten dafür verantwortlich.

Der Euro - das ist heute jedem klar - wird scheitern. Die Frage ist nur, wie groß der Knall sein wird, den dieses Scheitern verursacht, und wie groß die Kollateralschäden sein werden, die dabei enstehen. Wie kann eine neue europäische Ordnung nach dem Euro aussehen? Das ist die entscheidende Frage. 








Keine Kommentare: