Montag, 16. Februar 2015

Der sehr intelligente Journalist Dietmar Dath

"Wiederholungen sind der Fluch der Bilderwelt, spätestens seit man weiß, was eine Spiegelung ist". So beginnt Dietmar Dath seinen Artikel "Alba geht spazieren", der in der Online-Ausgabe der F.A.Z. am 13. Februar erschien. Zwar wissen wir alle, was eine Spiegelung ist. Den zitierten Satz aber versteht nur Dietmar Dath. 

Doch davon sollte man sich nicht beunruhigen lassen. Denn F.A.Z.-Leser wissen schon länger, dass Dietmar Dath nicht schreiben kann. "Ich bin viel intelligenter als Ihr, liebe Leser!" Das ist der Subtext aller Dath'schen Artikel, die oberflächlich von komplizierten kulturwissenschaftlichen, ökonomischen oder Science-Fiction-Themen handeln, tatsächlich aber lediglich das Ejakulat der geistigen Masturbation sind, die Dath gut bezahlt auf Kosten der Frankfurter Allgemeinen betreiben darf. 

"Auf der Berlinale ballen sich die visuellen Echos zwischen Projektionswänden im Lichtspielhaus, sprechenden Wandzeitungen auf dem Vorplatz, Computerschirmen und Smartphones bald zur ausweglosen Visagenpanik: In jedem zweiten Film und jeder dritten Pressekonferenz zeigt sich James Franco, aus jeder Gratiszeitung schaut Cate Blanchett in die weite Ferne, und in der Schlange für die nächste Vorführung stehen schon wieder die zwei breitgesichtigen Unholde, die in irgendeinem gottlosen keltischen Dialekt Meinungen über soeben Gesehenes brüllen, deren Inhalt den Wunsch nach Bezahlschranken für mündliche Kommunikation wachruft": Diesen Satz serviert Dietmar Dath seinen Lesern gleich zu Beginn des ersten Abschnitts. Moment, ich korrigiere: Dieser Satz, bestehend aus 82 Wörtern, ist der erste Abschnitt.

Es gibt Journalisten, die sich um Verständlichkeit bemühen. Es soll gar solche geben, die für die Leser schreiben. Bei dieser Spezies hat sich herumgesprochen, dass ein Satz idealerweise zwischen 9 und 15, nur selten aber über 25 Wörter lang sein sollte. Viel mehr nimmt das Gehirn nicht auf, wissenschaftliche Studien belegen das. Nun spielt niemand gern die Wortpolizei, und auch lange Sätze können schön und verständlich sein. Nicht so bei Dietmar Dath. Sein 82-Wörter-Ungetüm ist nicht elegant, nicht schön und schon gar nicht verständlich.

Denn wenn "visuelle Echos" sich bald  "zur ausweglosen Visagenpanik ballen" weiß wirklich niemand, was Sache ist. Vermutlich weiß das auch Dietmar Dath nicht. Er ist zu intelligent, um sich in die Niederungen sprachlicher Feinheiten zu begeben. Er denkt schneller als er schreibt. Oft denkt er leider auch nur gequirlten Quark. 

"Nach spätestens drei Tagen solcher Tortur denkt man bei jeder Veränderung – das Licht geht an, das Licht geht aus, die Herde setzt sich in Bewegung oder kommt zum Stillstand – nur noch: Bitte nicht schon wieder der, bitte nicht schon wieder die, bitte nicht schon wieder das! Und dann die Rettung: Alba Rohrwacher" hechelt Dath weiter im Takt. Beim Wort "Tortur" allerdings denkt der Leser nicht mehr an die Berlinale, über die Dath übrigens zu schreiben versucht, sondern wirklich nur noch an seinen Text. Was bezweckt Dath zum Beispiel mit dem eingeschobenen Nebensatz "das Licht geht an, das Licht geht aus..."? Er ist sinnlos und verwirrt den Leser. Der folgende innere Monolog - ebenfalls typisch Dath - ist schludrig, wirr und unnötig. 

Dath verliert seine Leser nach spätestens zwei Absätzen, auch das ist typisch. Das liegt an der Satzlänge, der verschwurbelten Sprache, die Intellektualität imitiert, dabei aber nur bemüht ist, sowie an Daths Stilbrüchen, die zu seinen gefürchteten Markenzeichen gehören.

Wir sind im zweiten Absatz von Daths Text, der gerade eben erst begonnen hat. Dath beendet ihn jedoch sogleich mit folgendem Satz-Monstrum: "Am Donnerstagmittag, als das Betrachterhirn kaum noch etwas aufnehmen will, stapft sie durch den Schnee, fasst einen Bock bei den Hörnern, dann steht sie auf einem Berg, dann fährt sie auf einem Schiff, dann redet sie mit einer Gegensprechanlage – immer ist das Spiel dieser Frau kontrolliert, zurückgenommen, dabei von einem Magnetfeld der emotionalen Rollentreue und einer Korona der klaren Darstellung umgeben, die unweigerlich alle Mitspielenden zwei Stufen besser agieren lassen, als sie das sonst tun."

Wissen Sie, was eine "Korona der Darstellung" ist? Nicht? Dann sind Sie nicht so intelligent wie Dietmar Dath. Diese Satzkarawane übrigens schafft Dath diesmal in 76 Wörtern. Soll man ihm zu dieser Verbesserung gratulieren? Nicht, dass er übermütig wird. Achso: Wer Alba Rohrwacher ist, woher sie stammt und was sie tut, wissen wir nicht. Dath informiert seine Leser nicht, das muss man wissen. Er arbeitet sich am Stoff ab. Man wird seinen Artikeln vielleicht gerecht, wenn man sie als Therapiehandlung vor Publikum versteht.

Dietmar Dath kann nicht schreiben, seine Science-Fiction-Bücher gelten in der Szene als stümperhaft. Warum also wird er von der F.A.Z. bezahlt? Vermutlich liegt es daran, dass er eine Nische besetzt. Die "Kulturflanke" der Frankfurter Allgemeinen, nicht erst seit Schirrmacher, funktionert über die maximale Vernebelung. Es gibt das Klientel, das solche Texte lesen will. Es liest einen Text, den es nicht versteht, fühlt sich danach aber "gebildet". Grotesk, aber möglich. 

Vielleicht ist Dath aber auch einfach ein blinder Passagier. Mal angeheuert, geistert er wie ein Geduldeter durch die Redaktionsstuben der Hellershofer Straße in Frankfurt. Den Vertrag will man nicht kündigen, man ist ja kein Unmensch. Zwar sieht man etwas beschämt, was der aufs Kulturgleis gesetzte "Kommunist" Dath wieder fabriziert hat, direkte Kritik verbietet sich aber. Denn vielleicht, so die Redaktion, ist man ja einfach nicht intelligent genug, nicht so schlau wie der tolle Dietmar Dath, der diesen Mythos irgendwann begründet hat und ihn täglich mit neuer Verschwurbelungsmasse neu entfacht.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Danke. Ich dachte schon, ich sei der einzige, der dieses Geschwurbel satt hat.