Donnerstag, 19. Februar 2015

Der Neoliberalismus und sein Jubelperser: Patrick Bernau von der F.A.Z.

Der Hurra-Journalist Patrick Bernau von der F.A.Z. jubelt wieder. "Rekord-Gehälter für die Deutschen" krakeelt der Wirtschaftsredakteur halb völkisch, halb siegestrunken in der Überschrift seines neuesten Artikels auf faz.net, in dem er eine angeblich positive Entwicklung der Reallöhne seit dem Jahr 2000 eher beschwört als konstatiert.

"Die Deutschen verdienen immer mehr. Jetzt haben die Arbeitnehmer das alte Hoch zur Jahrtausendwende übertroffen" schwärmt Bernau selig. Mit den "Deutschen" meint der Autor dabei wohl Arbeitnehmer, die in Deutschland arbeiten. Davon sind natürlich nicht alle Deutsche. Bernau differenziert freilich nicht. Sein Mantra, das Markenzeichen jedes Bernau'schen Artikels, lautet unverkennbar: "Den Deutschen geht es so gut wie nie zuvor". 

Damit betätigt sich Patrick Bernau als eines von unzählbaren gut geölten Zahnrädchen, die die neoliberale Propaganda unters Volk bringen. Bernau ist weniger objektiver Journalist als Meinungsmacher. Seine Artikel sind fast immer tendenziös und pädagogisch angehaucht, als wolle er den Lesern Ökonomie schmackhaft machen: Schaut doch, liebe Leser, die Wirtschaft ist etwas ganz Tolles, Ihr müsst es nur erkennen!

Gegen Meinungen im Journalismus ist nichts zu sagen. Problematisch ist nur, wenn man sie nicht kennzeichnet. Bernaus Artikel erscheinen meistens als Meldungen, nicht als Kommentare, sind jedoch überwiegend wirtschafts-, noch überwiegender unternehmerfreundlich. "Seit 2009 konnten sich Arbeitnehmer von Jahr zu Jahr mehr leisten, wenn man Lohnsteigerungen und Preiserhöhungen ins Verhältnis setzt" schreibt Bernau im zweiten Absatz. Beim kritischen Leser regen sich Zweifel: Hatte man nicht erst vor einer Woche eine Meldung gelesen, derzufolge immer weniger Menschen von ihrem Einkommen leben können?

"In den 2000er Jahren hätten schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Deregulierung am Arbeitsmarkt sowie der wachsende Niedriglohnsektor die Entwicklung der Arbeitseinkommen gebremst" zitiert Bernau einen Tarifexperten. Was Bernau nicht erwähnt: Die F.A.Z. und er persönlich begrüßten damals die Arbeitsmarktreformen. Unvergessen bleibt mir ein Auftritt Bernaus im "Presseclub", bei dem er die hohlste Phrase aller Hartz-IV-Apologeten wiederkäute und behauptete, Hartz IV habe "die Menschen doch erstmal wieder in Arbeit gebracht". 

Patrick Bernau ist kein objektiver Journalist. Er schreibt Suggestiv-Artikel, die unter dem Deckmäntelchen seriösen Wirtschaftsjournalismus daherkommen und sich so distanziert und objektiv wie möglich geben. Gerne zitiert er Studien wie im aktuellen Artikel, um sich den Anstrich des Aktenfressers zu geben, der wissenschaftliche Daten "durcharbeitet", um ihre Essenz zu destillieren und dem Leser mitzuteilen. Die Essenz, nach Bernaus Lesart, lautet dann meist: "Uns geht es gut, die deutsche Wirtschaft läuft super, Angela Merkel macht alles richtig."

Die F.A.Z. platziert solche Artikel in schöner Regelmäßigkeit. Patrick Bernau darf sie schreiben. Wenn man sie liest, klingt es so, als mache ihm das großen Spaß. So verbreitet die Zeitung subtil und pseudo-wissenschaftlich ihr Weltbild, das im Grunde unternehmensfreundlich, großbürgerlich und neoliberal ist. Patrick Bernau dient sich dabei als Adlatus an, der an Studien, Expertenmeinungen und Fakten so lange feilt, bis sie in sein "Deutschland ist super!"-Weltbild passen.

Zum Schluss lasse ich einen Leserkommentar für sich sprechen, der auf faz.net unter Bernaus Artikel veröffentlicht wurde: "Reallohnsenkungen! 14 Jahre lang! Und da wird im Artikel nebenan getönt: "Rekordanstieg der Reallöhne". Da kann man leicht Rekorde herbeifabulieren, wenn es vorher 14 Jahr bergab ging!" Dem ist nichts hinzuzufügen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Oh wir verdienen immer mehr?? Cool...das muß ich doch schnell meinem verhungerten Konto sagen!