Donnerstag, 12. März 2015

Griechische Totengräber: Ein Land im präfinalen Zustand

Die griechische Regierung hält an ihren Forderungen nach Reparationszahlungen für die Zeit der deutschen Besatzung fest. Das darf man getrost als Verzweiflungstat werten. Tsipras, Varoufakis & Co. sind vor sechs Wochen mit so einer breiten Brust ins Amt gestartet, dass man befürchtete, es platzten gleich drei Hemdknöpfe auf einmal.

Einige "Antrittsbesuche" in Brüssel später senkten sich die Häupter der Herren merklich. Erst drohten sie, kündigten an, forderten und riefen eine neue Ära aus. Der Ökonom Varoufakis schrieb Artikel, entwarf Konzepte, verkündete dies und das und war sichtlich stolz auf sein Werk.

Spätestens nach der neuerlichen Bitte nach Finanzhilfen Anfang dieser Woche ist klar, welche Luftschlösser sich die krawattenlosen Amtsträger gebaut hatten. Welche Hochstapler haben die Griechen da nur in hohe Ämter und Würden gebracht? Während das parteiinterne Syriza-Blatt Wolfgang Schäuble als KZ-Aufseher verhöhnte, versagten Tsipras und Varoufakis selbst bei den naheliegendsten Aufgaben: Nicht mal die vielgescholtenen Reeder nahmen sie bislang enger an die Kandare!

Die Hoffnung auf eine linksliberale, kooperative und konstruktive griechische Regierung ist zerstoben. Selbst die potenziellen Verbündeten in Portugal schafften es die Griechen zu vergraulen. Das Zampano-Gehabe der beiden führenden Köpfe war zwei Tage lang amüsant. Schon schnell stellte sich beim Beobachter aber ein Befremden ein, das bald Fassungslosigkeit wich. Wann würden Tsipras und Varoufakis das Theater einstellen, ernst machen und ihre wahren Pläne präsentieren?

Irgendwann nahmen auch die Letzten wahr, dass die beiden mit ihren anfänglichen Taschenspielertricks ihr gesamtes Pulver verschossen hatten. Danach kommt nichts mehr. Eine morbide Endzeitstimmung umweht nun jede Verlautbarung aus Athen. Die soziale Katastrophe ist nun unaufhaltbar. 

Die Totengräber der griechischen Gesellschaft sitzen in der griechischen Hauptstadt. Am Ende ist es wohl wirklich nur die Krawatte, die die aufmüpfigen Linkspopulisten von ihren Vorgängern, den Besitzstandswahrern und Spesenrittern der Nea Demokratia, unterscheidet. Griechenland hat seine Henker gewählt. Der Zustand des Landes ist präfinal. Wer kann es jetzt noch reanimieren?

 

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