Samstag, 2. Mai 2015

Gemischtes Eis mit fadem Beigeschmack

ALBUMKRITIK:
BLUR: THE MAGIC WHIP, WARNER BROTHERS, 2015 

 Blur: The Magic Whip

Welche Eissorten sind das, die Blur den Hörern auf Magic Whip servieren? Leider verstehe ich kein Japanisch und kann die Schriftzeichen (oder ist das Mandarin?) auf dem Albumcover nicht lesen. Soviel ist klar: Es schmeckt mir nicht. Blur langweilen sich. Und die Hörer gleich mit. Albarns traniger Gesang, Coxons lakonische Riffs und Rowntrees unbeteiligtes Getrommel inspirieren nicht mehr.

Dabei machen Blur die gleiche Musik wie in den Neunzigern. Und dann eben doch wieder nicht. Denn "Beetlebum", "Song 2" oder das ambitionierte "13" hatten "Magic Whip" eben einiges an Dynamik und Energie voraus. Man könnte es auch Inspiration nennen. Kombiniert mit der Albarn'schen Coolness und dem kongenialen Spiel Coxons ging das Rezept einwandfrei auf, bis Letztgenannter die Band verlies und Blur nur noch traurige, geistlose Elektronik produzierten.

"The Magic Whip" ist wie ein Abgesang auf alte Zeiten. Es ist ein jämmerliches Jaulen, ein Leierkasten. Nach "Ice Cream Man" brauchte ich erstmal ein Bier, solche Beklemmungen löste der Song in mir aus. Ein Song gleicht dem Nächsten, Albarn quäkt trostlos, Coxon lehnt sich noch manchmal gegen die stimmliche Klagemauer an, scheitert aber. Die Musik ist seltsam steril, hat etwas zombiehaftes, gleichzeitig wirkt sie teilweise wie ein Barbiturat. Die Lebendigkeit, die Coxons akustische Gitarren etwa "Blur" (1997) noch verliehen, fehlt hier restlos.

Die Rückkehr des begnadeten Gitarristen ändert nichts am Trend zur blutleeren, antiseptischen Musik, die mit "Think Tank" (2003) begann und an die sich "The Magic Whip" nahtlos anschließt. Schade!

 

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